Wie soll das nur funktionieren? Zufällig entscheidet man sich sicherlich nicht, gleich drei Startups zu gründen. Patrick Maghazehi arbeitet nicht einfach mehr – er arbeitet anders. Statt sich zu verzetteln, strukturiert er seinen Tag konsequent entlang seiner drei Unternehmen. Jedes Projekt bekommt seinen festen Platz, jede Entscheidung folgt einer klaren Priorität. Ohne diese Struktur würde das Konstrukt aus drei Startups, zwei Kindern und Familienleben schlicht nicht funktionieren.
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20 Kilo mehr – und keine passende App auf dem Markt
Der Ausgangspunkt für alles ist dabei ein ganz persönlicher. Rund 20 Kilo Übergewicht bringen Maghazehi dazu, sich intensiver mit Ernährung auseinanderzusetzen. Doch was er findet, überzeugt ihn nicht: zu starr, zu generisch, zu wenig auf den Alltag zugeschnitten. Also baut er mit Nutrisync seine erste eigene Lösung – eine App, die Ernährung flexibel und datenbasiert denkt.
Kurz darauf entstehen Marginos und Fieldbrain – beide aus konkreten Problemen im direkten Umfeld. Während Marginos Autohändlern datenbasierte Entscheidungen zur Margenoptimierung liefert, automatisiert Fieldbrain die Nachbereitung im Außendienst. Drei Ideen, drei Märkte – und ein Gründer, der sie parallel vorantreibt. Patrick Maghazehi erklärt diesen Spagat im Videocast Pitch & People so:
„Ich konzentriere mich täglich auf drei Projekte, die ich mir wirklich morgens, mittags und nachmittags zusammenlege. Das geht in verschiedenen Meeting-Einheiten mit den Co-Foundern, Events etc. und mittlerweile sind wir an dem Punkt, wo wir die Aufgaben sehr gut aufgeteilt haben.“
Schlafmangel, Druck, Familie – und trotzdem drei Startups
Doch der Weg dahin ist alles andere als glatt. Gerade in der Anfangsphase gerät Maghazehi an seine Grenzen. Schlafmangel, Dauerstress und die Herausforderung, Familie und Gründung unter einen Hut zu bringen, gehören zum Alltag.
„Ich war teilweise bis zwei, drei Uhr nachts am Computer, bin dann am nächsten Tag wieder aufgestanden und habe weitergemacht. Das war schon so ein Punkt, da habe ich mir gedacht, ist es das Ganze wert, dass man keine Zeit mehr hat? Aber mittlerweile merke ich, ja, das ist das, was ich machen will.“
Heute wirkt vieles strukturierter. Aufgaben sind verteilt, Prozesse klarer, die Belastung kontrollierbarer. Was bleibt, ist der hohe Anspruch – und die Bereitschaft, Risiko zu tragen.
Alle drei Startups hat Maghazehi bislang eigenfinanziert. Erst jetzt, mit wachsender Traktion, insbesondere bei Nutrisync, rückt das Thema Fundraising stärker in den Fokus. Der nächste Schritt ist gesetzt – aber auch mit neuen Fragen verbunden.
Patrick Maghazehi ist Münchner Seriengründer und Co-Founder von NutriSync, einer KI-gestützten Plattform für personalisierte Ernährung, die individuelle Daten und Wearables in alltagstaugliche Empfehlungen übersetzt. Neben NutriSync hat er auch Marginos mitgegründet, eine Softwarelösung für Autohäuser, die datenbasierte Entscheidungen zur Margenoptimierung ermöglicht, sowie Fieldbrain, eine KI-gestützte Voice-to-CRM-Plattform, die die Nachbereitung im Außendienst automatisiert. Vor seiner Gründungstätigkeit sammelte Maghazehi Erfahrung im Vertrieb sowie im Aufbau von E-Commerce- und Distributionsgeschäften.
Drei Firmen, eine Vision: Warum Geld nicht der wichtigste KPI ist
Denn Investoren stellen eine zentrale Frage: Kann jemand drei Startups gleichzeitig wirklich fokussiert führen? Maghazehi begegnet dieser Skepsis mit klarer Priorisierung und einem starken Team im Hintergrund. Sein Antrieb geht ohnehin über klassische KPIs hinaus. Für ihn zählt vor allem, ob Produkte funktionieren und ob sie bei den Nutzern ankommen.
„Für Nutrisync möchte ich quasi den ersten Nutrition Intelligence Layer aufbauen, der Menschen dabei hilft, nachhaltig die Gesundheit zu verbessern und zwar ohne ihnen statische und generische Pläne vorzugeben.“
Trotz aller Parallelität bleibt deshalb auch die emotionale Entscheidung eindeutig: Wenn er sich heute für eines seiner Startups entscheiden müsste, wäre die Wahl klar. Nutrisync ist und bleibt sein Herzensprojekt.