Torq Partners versteht sich als Finance-as-a-Service-Beratung für Startups und Scaleups. Das Team unterstützt Unternehmen operativ beim Aufbau ihrer Finanzorganisation, von Buchhaltungsprozessen über Business-Case-Modellierung bis hin zur Vorbereitung auf Finanzierungsrunden. Alina Nauen, Partnerin bei Torq Partners und Finance-Expertin, erklärt im Videocast Pitch & People:
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„Wir helfen dabei, die Finanzabteilung so aufzustellen, dass ein Startup bereit ist für die nächste Finanzierungsrunde.“
Das Ziel: eine Finanzstruktur aufzubauen, die InvestorInnen Vertrauen gibt. Dazu gehören belastbare Kennzahlen, saubere Reportings und klare Prozesse. Gleichzeitig arbeitet das Team auch auf der Investorenseite und unterstützt Venture-Capital-Fonds bei der finanziellen Due Diligence von Startups.
Diese Doppelperspektive liefert Einblicke in typische Schwachstellen junger Unternehmen.
Wenn das Reporting nicht zur Realität passt
Einer der häufigsten Fehler: GründerInnen bauen sich ihr eigenes Reporting, oft auf Basis von Banktransaktionen. Alina Nauen fügt in unserem Interview hinzu:
„Aber das hat häufig nichts mit der Realität aus den Buchhaltungsdaten zu tun.“
Viele Startups schauen vor allem auf ihre Bankbewegungen und erstellen daraus Auswertungen. Die Verbindung zwischen operativem Reporting und der eigentlichen Buchhaltung – etwa über Monatsabschlüsse oder Abgrenzungen – fehlt jedoch häufig. Für InvestorInnen kann das kritisch werden, spätestens wenn eine Finanzierungsrunde ansteht.
Der richtige Zeitpunkt für professionelle Finanzstrukturen liegt häufig zwischen Seed-Phase und Series A. Denn spätestens in der Series-A-Due-Diligence wollen InvestorInnen sehen, dass das Management-Reporting mit den Buchhaltungsdaten übereinstimmt.
Interim-CFO auf Zeit
In vielen Fällen übernimmt Nauen selbst eine operative Rolle im Unternehmen – etwa als Interim Head of Finance oder CFO auf Zeit. Das passiert häufig dann, wenn ein Startup kurz vor einer wichtigen Finanzierungsrunde steht oder die Finanzorganisation schnell professionalisiert werden muss.
Der Einstieg erfolgt meist über einen sogenannten Financial Health Check. Dabei analysiert ihr Team zunächst die gesamte Finanzstruktur des Unternehmens. Dazu gehören unter anderem die Buchhaltungsprozesse, der Monatsabschluss, Rechnungs- und Zahlungsabläufe sowie die organisatorische Aufstellung des Finance-Teams. Ziel ist es, Risiken zu identifizieren und herauszufinden, welche Maßnahmen den größten und schnellsten Effekt haben.
In einem Projekt mit einem B2B-Startup im Nachhaltigkeitsbereich – damals kurz vor der Series-A-Finanzierung – zeigte diese Analyse beispielsweise, dass die bestehende Finanzstruktur nicht mehr zum Wachstum des Unternehmens passte. In der Folge wurde die Finanzleitung neu aufgestellt, und Nauen übernahm vorübergehend die Rolle als Interim-CFO.
In dieser Position kümmert sie sich nicht nur um strategische Fragen, sondern arbeitet operativ im Unternehmen mit. Dazu gehört etwa, das Finance-Team zu führen, geeignete Tools für Ausgabenmanagement oder Rechnungsprozesse auszuwählen und einzuführen, sowie Budget- und Planungsprozesse gemeinsam mit den GründerInnen aufzusetzen. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass zentrale Prozesse – etwa der monatliche Abschluss der Buchhaltung – deutlich schneller und strukturierter ablaufen.
Ein wichtiges Ziel ist dabei, dass verlässliche Finanzzahlen möglichst früh im Monat vorliegen, damit GründerInnen und InvestorInnen auf einer belastbaren Grundlage Entscheidungen treffen können.
Solche Mandate dauern häufig etwa sechs bis sieben Monate. In dieser Zeit werden Strukturen aufgebaut, Prozesse verbessert und das Unternehmen auf die nächste Wachstumsphase vorbereitet. Parallel wird meist eine dauerhafte interne Finance-Leitung gesucht, an die die Verantwortung anschließend übergeben wird. Dabei achtet Nauen darauf, dass Wissen und Prozesse sauber dokumentiert sind, damit der Übergang reibungslos funktioniert.
Drei Finance-KPIs, die jeder Gründer kennen sollte
Welche Kennzahlen sollten GründerInnen unbedingt im Blick behalten? Für Nauen gibt es drei zentrale KPIs, die in praktisch jedem Startup relevant sind – unabhängig vom Geschäftsmodell.
Umsatz steht dabei an erster Stelle. Entscheidend ist allerdings, dass GründerInnen genau verstehen, wie dieser Umsatz zustande kommt. Gerade im B2B-SaaS-Bereich wird häufig mit Kennzahlen wie ARR oder MRR gearbeitet. Doch nicht jeder Vertrag ist automatisch ein wiederkehrender Umsatz. Wenn beispielsweise ein Kunde nur einen kurzen Testzeitraum hat oder ein Projekt nur temporär läuft, handelt es sich streng genommen nicht um wiederkehrende Einnahmen. Wer hier ungenau rechnet, kann sich schnell ein falsches Bild vom tatsächlichen Wachstum machen.
Eine zweite zentrale Kennzahl ist der Deckungsbeitrag. Er zeigt, wie viel vom Umsatz nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt. Diese Kennzahl ist besonders wichtig, weil sie zeigt, ob das Geschäftsmodell grundsätzlich funktionieren kann. Gerade in Bereichen wie E-Commerce hilft der Deckungsbeitrag dabei zu verstehen, welche Preise mindestens verlangt werden müssen, damit Marketing, Vertrieb und andere Fixkosten überhaupt gedeckt werden können.
Die dritte entscheidende Größe ist Cash. Für Startups ist Liquidität häufig wichtiger als klassische Profitabilitätskennzahlen. Denn selbst wenn ein Unternehmen auf dem Papier profitabel erscheint, kann es in Schwierigkeiten geraten, wenn die Liquidität nicht ausreicht.
Alina Nauen ist Partnerin bei Torq Partners und unterstützt als Interim-CFO wachstumsstarke Startups und Scaleups beim Aufbau professioneller Finanzstrukturen. In dieser Rolle arbeitet sie operativ mit Gründerteams zusammen, entwickelt Finanzprozesse weiter und begleitet Unternehmen auf dem Weg zu Finanzierungsrunden und nachhaltigem Wachstum. Zuvor war sie in verschiedenen Finanzführungsrollen in der Startup-Szene tätig, unter anderem bei Delivery Hero sowie beim Climatetech-Startup Planetly, wo sie den Aufbau und die Skalierung der Finanzorganisation mitverantwortete. Heute bringt sie diese Erfahrung in unterschiedliche Wachstumsphasen junger Unternehmen ein. (Foto: Torq Partners)
Vom Hypergrowth zum Realismus
Die Rolle der Finanzsteuerung ist heute wichtiger denn je. Während 2021 Wachstum um jeden Preis im Fokus stand und Finanzierungsrunden bei hohen Bewertungen abgeschlossen wurden, hat sich das Marktumfeld deutlich verändert. InvestorInnen achten stärker darauf, wann ein Startup profitabel wird und wie nachhaltig es wächst. Der Fokus verschiebt sich deshalb von „Growth at all costs“ hin zu profitablen Wachstumspfaden.
Auch im deutschen Startup-Ökosystem sieht Nauen derzeit deutliche Veränderungen. Während die Szene lange stark auf Berlin konzentriert war, verteilen sich Gründungsaktivitäten und Investitionen zunehmend auf mehrere Standorte.
Gerade München gewinnt dabei an Bedeutung. Das zeigt sich nicht nur an der steigenden Zahl von Startups, sondern auch an der wachsenden Dichte an Events, Acceleratoren und Netzwerken, die das Ökosystem unterstützen.
„Wenn man hier auf Veranstaltungen ist, merkt man einfach, dass der Austausch- und Unterstützungswille im Ökosystem sehr groß ist.“
Für Torq Partners war das einer der Gründe, den nächsten Schritt zu gehen: Neben dem Berliner Standort hat das Unternehmen inzwischen auch ein Büro in München eröffnet. Damit will das Team noch näher an den wachstumsstarken Startups im Süden Deutschlands arbeiten.
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