Munich Startup: Was macht euer Startup? Welches Problem löst Ihr?
Robert Zechlin, Co-CEO & Gründer: Führende Biotech-Firmen haben in der Regel zwischen fünf und 20 Mitarbeitern, die sich der Laborautomatisierung widmen. Das sind normalerweise ehemalige Biologen, die zu Software-Ingenieuren geworden sind und deren Aufgabe es ist, Hardware und Software zu verbinden, Prozesse zu automatisieren, Datenanalyse und sogar KI-Anwendungen einzuführen. Derzeit bauen sie das alles selbst und kämpfen mit proprietären Hardware-Schnittstellen und geschlossenen Anbieter-Ökosystemen. Wir glauben, dass über 50 Prozent ihrer wertvollen Zeit verschwendet wird. Die Integration von Hardware ist ganz klar der Bottleneck bei Labordigitalisierung und Automatisierung. Unsere Plattform vereinfacht und standardisiert diesen Prozess.
UniteLabs bietet so das Betriebssystem für KI-gesteuerte Laborautomatisierung, das die Konnektivität von Hardware und Software in der Biowissenschaft standardisiert. Unsere Plattform baut Herstellerbarrieren ab, senkt Kosten und schafft eine skalierbare Infrastruktur, die die digitale Transformation beschleunigt. Dadurch wird eine verbesserte Datenintegrität, Prozessautomatisierung und Geräteüberwachung ermöglicht, was die Voraussetzungen für das Labor der Zukunft schafft.
Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!
Robert Zechlin: Der entscheidende Unterschied zu unseren Konkurrenten ist unsere innovative Integrationsinfrastruktur, die Standards, Protokolle, Tools und Plattform-Produkte umfasst. UniteLabs ist die einzige Plattform, die komplette Integration der Geräte inklusive Steuerung mit einer Entwicklungsumgebung kombiniert. Geräte aller Hersteller werden sicher in der Cloud eingebunden und sind programmierbar. Außerdem bietet UniteLabs einen Hub für Konnektoren und ein Treiber-Framework zur einfachen Geräteintegration. Somit ist unsere Plattform die einzig offene, Hersteller-übergreifende Lösung für KI-getriebene Laborautomatisierung.
Von der WG-Idee zur internationalen Plattform
Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?
Robert Zechlin: Mein ehemaliger WG-Mitbewohner Lukas hat nach seinem Chemieingenieur-Studium als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München zur „Digitalisierung in der Industriellen Biotechnologie“ am Lehrstuhl für Bioverfahrenstechnik geforscht. Die dabei entwickelte Software hat sich richtig gut entwickelt, er wurde Mitglied des Standardisierungs-Konsortiums SiLA, bekam immer mehr Anfragen von anderen Unis und aus der Industrie. Die Vorarbeiten aus dieser Promotion gaben daher den Anstoß, daraus ein kommerzielles Produkt zu entwickeln und das Vorhaben wirtschaftlich zu evaluieren. Als wir beide dann Julian bei einem Wirtschaftsinformatik-Stammtisch kennengelernt haben, war klar: Wir machen das zusammen! Julian arbeitet seit Teenagertagen als Programmierer, das hat also perfekt gepasst: ein BWLer, ein Chemieingenieur und ein Informatiker.
Wie es der Zufall dann will, haben wir etwa in der Zeit einen Angel Investor aus genau der Branche kennengelernt und konnten von seinen Erfahrungen mit einem ähnlichen Startup aus der Schweiz immens profitieren. Seit Ende 2022 arbeiten wir nun an der Idee, Anfang 2024 haben wir UniteLabs dann gegründet.
Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?
Robert Zechlin: Neben den klassischen Startup-Herausforderungen wie Funding und Hiring würde ich sagen, war unsere größte Herausforderung, dass wir von Anfang an international aufgestellt waren. Unsere ersten Kunden waren US-Unternehmen. Mittlerweile haben wir Partner auf der ganzen Welt und haben letztens sogar einen Forschungsantrag mit einem koreanischen Partner eingereicht.
Auf dem Weg zum globalen Standard
Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?
Robert Zechlin: Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres 90 Laborgeräte anzuschließen und damit Laborautomatisierung für fast jedes zweite Biotech-Labor weltweit zugänglich zu machen. Aber das ist nur der Anfang. Unsere langfristige Vision ist es, den globalen Standard für die Laborautomatisierung zu setzen und die modernste Biotech-Forschung schneller, intelligenter und vernetzter als je zuvor zu gestalten.
Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?
Robert Zechlin: München finden wir super für unser Startup! Das skalierbare B2B-Geschäftsmodell von UniteLabs im Bereich der industriellen Automatisierung profitiert enorm von der hier ansässigen Community. München ist außerdem ein Life-Science-Hotspot und hat die aktivste Community für Laborautomatisierung in ganz Europa.
Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?
Robert Zechlin: Unser Fokus liegt zunächst einmal darauf, eine Grundlage zu schaffen, um eine stabile und skalierbare Infrastruktur für die Kernprozesse teilweise regulierter Unternehmen zu schaffen. Das braucht natürlich Zeit. Gleichzeitig steigt der Wert unserer Plattform mit der Anzahl der entwickelten Konnektoren und der Anzahl der Geräte, die wir integrieren können. Deshalb würde ich sagen, dass wir eher mit einem langen Atem an die Sache rangehen. Nichtsdestotrotz haben wir einige spannende Dinge in der Pipeline, die uns definitiv bereits frühzeitig Aufmerksamkeit verschaffen werden.