Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Daniel Wolf, Co-Founder: Jeder zweite Mensch über 50 hat Schulterprobleme. Trotzdem gibt es bis heute kein Trainingsgerät, das die Schulter so trainiert, wie sie sich tatsächlich bewegt: dreidimensional, rotierend, mit gleichmäßigem Widerstand. Therapeuten behelfen sich mit Therabändern, Kabelzügen, freien Gewichten, aber die Ergebnisse sind schwer reproduzierbar, der Betreuungsaufwand hoch, der Therapieverlauf oft ineffizient. Wir haben mit dem Rotator ein System entwickelt, mit dem Patienten strukturiert und selbstständig trainieren können und Therapeuten endlich ein Werkzeug haben, das ihnen Zeit zurückgibt.
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Daniel Wolf: Der Rotator ist in dieser Kombination einzigartig: geführte 360-Grad-Rotation, konstanter Widerstand in beide Richtungen, über 30 Übungen — rein mechanisch, ohne Strom, ohne laufende Kosten. Patentiert und made in Germany. Für Praxen heißt das konkret: Ein kompaktes Gerät, das auf unter zwei Quadratmetern steht, Patienten nach kurzer Einweisung selbstständig trainieren lässt und den Therapeuten entlastet. Wir haben über 30 Anbieter weltweit analysiert und kein direkt vergleichbares System gefunden.
Gründer bringen unternehmerische Erfahrung mit
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Daniel Wolf: Christoph, mein Mitgründer, ist gelernter Schreiner, Innenarchitekt und leidenschaftlicher Sportler: Tennis, Kampfsport, Fußball als Torwart. Die Schulter hat ihn immer begleitet, nicht immer im Guten. Während seiner Schreinerlehre hatte er eine Werkbank mit einer großen Kurbel für die Höhenverstellung. Das gleichmäßige Widerstandsgefühl beim Kurbeln ließ ihn nicht los. Er wollte etwas Ähnliches zum Trainieren haben. Er suchte: Fitnessstudio, Internet, Fachmessen — nichts. Also ging er zurück in die Werkstatt und baute es selbst. Das war der Anfang. Über Jahre und mehrere Prototypen wurde daraus der Rotator V3, ein patentiertes Trainings- und Therapiesystem in der dritten Generation. Christoph hatte vorher schon zwei eigene Unternehmen im Bereich Innenarchitektur geführt, Hendrik bringt unternehmerische Erfahrung aus der Immobilienbranche mit, und ich komme aus 25 Jahren Startup-Vertrieb. Als wir drei das Potenzial erkannt haben, war klar: Das ist keine Produktidee. Das ist eine neue Kategorie. Unsere Erfahrung hat uns enorm geholfen, aber nicht vor jeder unerwarteten Herausforderung bewahrt.
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Daniel Wolf: Ehrlich gesagt: nein. Aber es war auch nicht immer leicht. Von der ersten Skizze 2022 bis zur serienreifen dritten Generation waren es vier Jahre. Der Weg von der Werkstatt in die Serienproduktion hat uns mehr abverlangt als gedacht — technisch, organisatorisch und manchmal auch nervenmäßig. Aber der Glaube an die Idee hat immer überwogen. Und wenn dann die ersten Therapeuten am System stehen und sagen: „Genau das hat uns gefehlt, das ist eine echte Innovation“ — dann sind die schwierigen Phasen schnell vergessen.
Neue Kategorie im Schultertraining etablieren
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Daniel Wolf: Daran, dass der Rotator im Alltag ankommt. Wenn Physiotherapiepraxen, Rehazentren und Medical-Fitness-Studios ihn täglich einsetzen. Wenn Einrichtungen ihn nach unserer kostenlosen vierwöchigen Testphase behalten — nicht weil er beeindruckt, sondern weil er funktioniert. Unsere ersten Referenzkunden bestätigen das schon heute: höhere Trainingsqualität, weniger Betreuungsaufwand, Patienten, die sicher und selbstständig trainieren. In zwölf Monaten wollen wir im DACH-Raum eine relevante installierte Basis haben und erste Vertriebspartner im europäischen Ausland. Unser Ziel ist nicht weniger als eine neue Kategorie im Schultertraining zu etablieren.
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Daniel Wolf: Sofort wieder. Ich bin mit der New-Economy-Welle 2000 nach München gekommen und nie wieder weggegangen. Wir sind alle drei familiär und beruflich hier verwurzelt. Die Region bietet uns vertrieblich enormes Potenzial, starke Partner, Forschungsinstitute und Universitäten im Bereich Sportwissenschaft und Medizintechnik. Und über 25 Jahre baut man sich ein Netzwerk auf, das man als Gründer gut gebrauchen kann. Wir sind keine 25-jährigen Erstgründer, wir bringen Erfahrung mit. Und ein bisschen träumen gehört auch dazu.
Munich Startup: Bootstrapping oder Venture Capital?
Daniel Wolf: Eigenfinanziert mit ergänzendem privatem Seed-Investment und Förderprogrammen. Wir haben bewusst keinen klassischen VC-Weg gewählt. Wir wollten das Produkt ohne Zeitdruck zur Marktreife bringen. Das Interesse von Investorenseite ist da, auch die Höhle der Löwen hatte sich gemeldet. Aber für uns zählt der richtige Zeitpunkt und der richtige Partner. Aktuell liegt unser voller Fokus auf dem Markteintritt: Mitte April stellen wir den Rotator V3 erstmals auf der FIBO in Köln vor, der größten Fitness- und Gesundheitsmesse Europas.