Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Christian Bauer, CEO: Bisher bestand die Weltraum-Infrastruktur größtenteils aus einzelnen Satelliten, die zum überwiegenden Teil alle im gleichen Orbit eingesetzt wurden. Der Großteil der heutzutage gestarteten Satelliten ist jedoch Teil größerer Satellitennetzwerke, sogenannter Konstellationen, bei denen dutzende oder hunderte von Satelliten in einer präzisen Formation auf unterschiedlichen Orbits fliegen müssen. Aktuell gibt es keine Möglichkeit, mehrere Satelliten gleichzeitig in unterschiedlichen Orbits auszusetzen, so dass für jeden Orbit eine eigene, kleine, aber teure Trägerrakete benötigt wird. Wir wollen das ändern.
Durch die neue Technik, die wir entwickeln, können wir einen kleinen Raumtransporter mit hoher Antriebsleistung bauen. Mit diesem können wir von jeder Trägerrakete aus beliebige Orbits erreichen und damit mit einem einzigen Start mehrere Orbits anfliegen und so Konstellations-Satelliten schneller und günstiger dorthin bringen, wo sie hingehören.
Einzigartig verkleinerte Technik
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Christian Bauer: Als echtes Deeptech-Hardware-Startup, gegründet aus der Wissenschaft, liegt unser Fokus klar auf technischen Innovationen. Wir verwenden dieselben, hocheffizienten Treibstoffe wie beispielsweise das Starship von SpaceX, sind aber die Einzigen, die es schaffen, die Technik so weit zu miniaturisieren, dass wir sie sogar auf Satelliten einsetzen können. Wir haben auch ein ausgefeiltes Konzept zur dauerhaften Speicherung dieser Treibstoffe im Orbit, was ich in diesem Detailgrad noch von keinem anderen Player gesehen habe.

Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Christian Bauer: Während meiner Promotion an der TUM arbeitete ich an neuen Zündmethoden für grüne Treibstoffe. An passiven Resonanzzündern wird seit etwa 1955 gearbeitet, aber bislang hatte noch niemand geschafft, diese Technologie bis zur Einsatzreife zu entwickeln. 2016 konnte ich dann zum ersten Mal eine erfolgreiche Zündung demonstrieren und das Design zum Patent anmelden. Zu dieser Zeit gab es „New Space“ de facto noch nicht, und die großen Raumfahrtfirmen hatten kein Interesse an der Technik, die sie für noch nicht „reif“ hielten. Mittlerweile gibt es aber auch für kleinere Firmen eine echte Chance in der Raumfahrt, so dass ich ab 2020 selbst aktiv an der Gründung arbeitete, um diese Technik in die Anwendung zu bringen.
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Christian Bauer: Die Space-Industrie ist extrem kompetitiv, oft konservativ und manchmal ruchlos. Noch vor wenigen Jahren bezeichneten viele Experten unsere Ideen als unmöglich und ihr Feedback war teils brutal. Das ist enorm frustrierend, aber ans Aufgeben haben wir eigentlich nie gedacht. Und mittlerweile demonstrieren wir „Unmögliches“ routinemäßig bei den Tests unserer Prototypen.
Bewährungsprobe bleibt Einsatz im All
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Christian Bauer: Trotz aller Sorgfalt beim Design und Testen unserer Systeme bleibt der einzig wirklich repräsentative Test der Einsatz im Weltraum. Wenn wir in einem Jahr dabei sind, die Flugversion unseres in-orbit Demonstrators zusammenzuschrauben und die Flüge zur Launch Site gebucht haben, ist das schon ein ziemlich guter Weg.
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Christian Bauer: Ich denke für Deeptech-Gründungen, insbesondere im Bereich Raumfahrt, Defence und Hardware führt aktuell kein Weg an München vorbei. Das Ganze Ökosystem hat mittlerweile eine Dynamik entfaltet, die Andernorts schwer zu finden ist. Ich kann innerhalb eines Tages mehrere Kunden besuchen und auf dem Weg zu Investoren noch schnell bei einigen Lieferanten vorbeischauen. Für uns ist insbesondere die TUM ein enorm wichtiger Faktor, der nicht nur beständig hoch ausgebildete und motivierte Ingenieure liefert, sondern auch Test-Infrastruktur bereitstellt, ohne die wir unmöglich so schnelle Fortschritte hätten erzielen können.
Munich Startup: Perfektion oder Geschwindigkeit?
Christian Bauer: Der Weltraum ist unerbittlich und jeder Fehler kann verheerende Folgen haben. Trotzdem ist eine gute Lösung heute besser als eine perfekte Lösung in zehn Jahren. Wir müssen deshalb jeden Tag aufs Neue abwägen, wie viel Risiko und Geschwindigkeit wir uns leisten können. Wir versuchen also so schnell wie möglich zu sein und so perfekt wie nötig.