Diese Woche wurde es spruchreif: Rocket Lab kauft Mynaric. Was diese Übernahme besonders macht ist die Tatsache, dass Rocket Lab damit nicht nur Technologie kauft, sondern sich einen strategischen Baustein für große Satellitenkonstellationen sichert. Und das lässt sich das US-Unternehmen auch etwas kosten. Insgesamt haben etwa 131,6 Millionen Euro (155,3 Millionen US-Dollar) in Form einer nominalen Barzahlung plus 2.277.002 Rocket-Lab-Aktien den Besitzer gewechselt.
Laserkommunikation gilt als Schlüsseltechnologie für hohe Datenraten, mehr Sicherheit und skalierbare Verbindungen im Orbit. Genau dort hatte der Markt zuletzt mit zu geringen Stückzahlen und schwieriger Lieferfähigkeit zu kämpfen. Mynaric passt deshalb sehr direkt in Rocket Labs Ausbau zum integrierten Raumfahrtanbieter. Der US-Konzern positioniert sich längst nicht mehr nur als Startdienstleister, sondern baut sein Space-Systems-Geschäft systematisch über Raumfahrzeuge, Komponenten und Zukäufe aus. Die Mynaric-Übernahme ergänzt dieses Portfolio nun um optische Kommunikationsterminals.
Milliardenaufträge machen Mynaric strategisch relevant
Ein zentraler Grund für die Übernahme war die bestehende operative Beziehung beider Unternehmen. Mynaric liefert CONDOR-Mk3-Terminals für Rocket Labs Hauptaufträge im Volumen von etwa 1,1 Milliarden Euro (1,3 Milliarden Dollar) zur Produktion von 36 Satelliten für die „Proliferated Warfighter Space Architecture“ der US Space Development Agency. Laut Rocket Lab hat diese Zusammenarbeit dem Unternehmen früh Einblick in Team, Technologie und Skalierungspotenzial von Mynaric gegeben.
Damit ist der Deal nicht nur eine Technologieakquisition, sondern auch vertikale Integration in einem Markt, in dem Lieferketten und Produktionsfähigkeit über die Umsetzbarkeit ganzer Konstellationen entscheiden. Während die Übernahme für Rocket Lab mehr Kontrolle über ein kritisches Subsystem bedeutet, gewährt sie Mynaric den Zugang zu einem finanzstärkeren industriellen Setup mit globalem Kundenstamm. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der bisherigen Lieferbeziehung, den SDA-Programmen und Rocket Labs ausdrücklich angekündigtem Plan, die Produktion hochzufahren.
München bleibt Hauptsitz – Rocket Lab baut erste Europa-Präsenz auf
Für den Standort München ist entscheidend, dass Mynaric laut Rocket Lab weiterhin dort ansässig bleiben soll. Der Konzern spricht ausdrücklich davon, mit Mynaric seine erste europäische Präsenz zu etablieren und damit auch die Unterstützung deutscher und weiterer europäischer Raumfahrtprogramme auszubauen.
Für das Münchner Startup- und Deeptech-Ökosystem handelt es sich hierbei nicht um einen klassischen Exit mit vollständiger Standortverlegung. Stattdessen wird ein Münchner Spacetech-Spezialist in eine internationale Raumfahrtplattform integriert, während Entwicklung und Präsenz vor Ort bestehen bleiben sollen.
Warum Mynaric zuletzt unter Druck stand
Der Abschluss kommt für Mynaric nach einer schwierigen Phase. Das Unternehmen hatte im August 2024 seine Umsatz- und Cash-in-Prognose für 2024 deutlich gesenkt und dies unter anderem mit Produktionsverzögerungen beim CONDOR Mk3, geringeren Fertigungsausbeuten und Engpässen bei Zulieferteilen begründet. Gleichzeitig wies Mynaric damals nur 6,3 Millionen Euro an liquiden Mitteln aus und erklärte, zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten prüfen zu müssen.
Im Februar 2025 leitete Mynaric dann ein Restrukturierungsverfahren nach StaRUG ein. Auf der Investor-Relations-Seite beschreibt das Unternehmen einen Plan mit Schuldenschnitt und Kapitalmaßnahmen zur Sanierung der Gruppe. Der Rocket-Lab-Deal war damit nicht nur Wachstums-, sondern auch Stabilisierungsszenario für den Münchner Laserspezialisten.
Warum Laserkommunikation für den Space-Markt wichtiger wird
Optische Kommunikation zwischen Satelliten wird wichtiger, weil Konstellationen immer größere Datenmengen transportieren müssen und klassische Funkverbindungen bei Bandbreite, Spektrumnutzung und teils auch Sicherheit an Grenzen stoßen. Rocket Lab beschreibt Laserkommunikation deshalb als „key enabler“ für heutige und künftige Konstellationen und will genau hier die Produktionskapazität von Mynaric ausbauen.
Für Europa ist das doppelt interessant: Einerseits bleibt mit Mynaric ein relevanter Laserkommunikationsstandort in München erhalten. Andererseits wandert ein strategisch wichtiger Anbieter unter das Dach eines US-Konzerns, der stark im Verteidigungs- und Regierungsumfeld positioniert ist. Das erhöht die industrielle Schlagkraft, verändert aber auch die Kräfteverhältnisse im europäischen Raumfahrtmarkt. Diese Einordnung stützt sich auf Rocket Labs angekündigten Europa-Ausbau, die SDA-Verflechtung und die Rolle von Mynaric als Zulieferer in mehreren Programmen.
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