Was heute als eines der erfolgreichsten Gründerzentren Europas gilt, begann vor 25 Jahren ziemlich unscheinbar: mit Flyern vor der Mensa der TU München. Helmut Schönenberger und sein Team wollten Studierende für Unternehmertum begeistern – und trafen früh auf Talente, die später das Münchner Ökosystem prägen sollten.
Pitch & People Folgen
Heute ist UnternehmerTUM ein zentraler Motor für Deeptech-Startups in Europa. Zwei bis drei neue Unternehmen entstehen pro Woche aus dem Umfeld, die gemeinsam rund zwei Milliarden Euro Venture Capital pro Jahr einwerben.
Entscheidend für diesen Erfolg ist ein langfristiger Ansatz: GründerInnen werden nicht punktuell unterstützt, sondern über Jahre hinweg begleitet.
„Diese Startup-Journey ist unglaublich lang“,
sagt Schönenberger bei Pitch & People. Vom ersten Interesse im Studium bis zum skalierenden Unternehmen vergehen oft zehn Jahre oder mehr.
Warum manche Teams gewinnen – und andere scheitern
Über Jahrzehnte hinweg hat Schönenberger hunderte Gründerteams begleitet. Sein Fazit: Nicht die Idee entscheidet – sondern das Team.
Erfolgreiche Startups vereinen technologische Exzellenz, unternehmerisches Verständnis und Skalierungsfähigkeit. Doch entscheidend ist vor allem, ob ein Team langfristig funktioniert, sich weiterentwickelt und auch in schwierigen Phasen stabil bleibt.
„Ein Unicorn zu gründen ist eine wahnsinnige Kraftanstrengung“,
so Schönenberger.
Deshalb setzt UnternehmerTUM stark auf frühe Validierung: Teams entwickeln bereits im Studium Prototypen, testen Märkte und gewinnen erste Kunden. Programme wie die TUM Enterprise Masterclass schaffen dafür gezielt Raum. Das Ergebnis: Startups entstehen mit Substanz und erreichen eine Erfolgsquote von rund 85 Prozent.
Deutschlands größter Nachteil: Bürokratie und fehlende Geschwindigkeit
Trotz funktionierender Ökosysteme sieht Schönenberger Deutschland strukturell im Nachteil. Besonders kritisch: langsame Prozesse und hohe Komplexität. Unternehmensgründungen dauern hierzulande oft sechs bis acht Wochen – ein klarer Wettbewerbsnachteil im internationalen Vergleich.
„Wir sind zu langsam, zu unpragmatisch“,
sagt Schönenberger, Vizepräsident für Entrepreneurship der Technischen Universität München.
Für global orientierte Startups ist das ein echtes Problem. Sie entscheiden sich zunehmend für Standorte, an denen sie schneller handeln können.
Helmut Schönenberger ist CEO und Mitgründer von UnternehmerTUM sowie Vizepräsident für Entrepreneurship an der TU München. Er zählt zu den zentralen Architekten des Münchner Startup-Ökosystems und treibt seit über 20 Jahren den Aufbau von technologiegetriebenen Gründungen aus der Wissenschaft voran. Mit UnternehmerTUM hat er eines der größten Gründerzentren Europas aufgebaut und engagiert sich zudem als Investor und im Startup-Verband für bessere Rahmenbedingungen für Startups in Deutschland.
Fünfmal weniger Wirkung aus Forschung
Ein zentrales strukturelles Problem sieht Schönenberger in der Verwertung von Forschungsergebnissen. Zwar investiert Deutschland massiv in Universitäten und Forschungseinrichtungen, doch die wirtschaftliche Umsetzung bleibt hinter den Möglichkeiten zurück.
„Die Amerikaner machen aus einem Euro Forschungsgeld fünf Euro – wir vielleicht einen.“
Für ihn ist klar: Diese Diskrepanz gefährdet langfristig die Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend sei, die vorhandenen Technologien und Talente stärker in marktfähige Unternehmen zu überführen. Gerade in Bereichen wie Deeptech oder Quantenforschung sieht er große Chancen – vorausgesetzt, es gelingt, die gesamte Wertschöpfungskette mitzudenken und zu entwickeln.
Ein globales Wettrennen um Talente und Innovation
München gehört heute zu den weltweit führenden Deeptech-Ökosystemen, doch dieser Status ist kein Selbstläufer. Andere Regionen holen schnell auf und investieren gezielt in ihre Innovationskraft. Ob Deutschland und München langfristig erfolgreich bleiben, hängt davon ab, ob alle AkteurInnen gemeinsam handeln – schnell, pragmatisch und ambitioniert.
Denn eines macht Schönenberger deutlich: Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, entscheiden sich die besten GründerInnen für andere Standorte.