Als Jan Höppner und sein Co-Founder 2015 Gym Cook gründeten, war die Idee klar: gesunde Ernährung für Fitnessbegeisterte. Der Ursprung lag sogar im Tech-Bereich – doch schnell entschieden sich die Gründer bewusst dagegen. Stattdessen wollten sie eine Marke schaffen, die man erleben kann: physisch, greifbar, alltagstauglich.
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Naiv gestartet und hart aufgeschlagen
Was folgte, war ein Kaltstart ohne Netz und doppelten Boden, wie Jan Höppner im Pitch & People Videocast berichtet:
„Wenn ich jetzt zurückdenke, war es absoluter Horror. Wir hatten keinerlei Erfahrung, wir wussten eigentlich auch nicht, was unser Produkt ist. Und dann kamen die ersten Gäste und haben 45 Minuten auf ihr Essen gewartet. Da merkst du einfach: Es funktioniert nichts.“
Die Realität traf das Team schnell und hart. Prozesse funktionierten nicht, Abläufe brachen zusammen und die eigentliche Zielgruppe war eine ganz andere als gedacht. Statt Fitnessstudio-BesucherInnen kamen vor allem Büroangestellte, die sich bewusst ernähren wollten.
Trotz Businessplan und Finanzierung war der Weg zum ersten Restaurant alles andere als einfach. Über ein Jahr lang suchten die Gründer nach einer passenden Location, ohne Erfahrung, ohne Track Record, aber mit einem langfristigen Mietvertrag im Nacken.
Der Einstieg in die Gastronomie entpuppte sich als deutlich komplexer als erwartet: von technischen Anforderungen bis hin zu fehlenden Kontakten für alltägliche Probleme wie defekte Lüftungen.
Corona als Turbo und ein trügerischer Höhenflug
Ein entscheidender Wendepunkt kam mit der Pandemie. Gym Cook hatte bereits zuvor auf Delivery gesetzt und profitierte massiv davon.
„Das war unser Rettungsanker. In der Zeit haben wir so viel Umsatz gemacht, dass wir gar nicht mehr wussten, wo oben und unten ist. Das war wie ein kleiner Goldrush – wir dachten, jetzt geht es nur noch bergauf.“
In der Spitze erzielte eine einzige Filiale rund 2 Millionen Euro Umsatz. Eine Zahl, die selbst für die Gastronomie außergewöhnlich ist. Das Team wuchs rasant, Prozesse wurden hochgefahren, neue Autos angeschafft, alles auf Wachstum ausgerichtet.
Doch der Höhenflug war trügerisch. Die starke Abhängigkeit von einer Lieferplattform wurde zum Risiko und schließlich zum Problem.
„Diese Plattformabhängigkeit hat mich gekillt. Du weißt, egal was die machen, es kann innerhalb eines Tages vorbei sein. Und darauf kannst du kein Business aufbauen.“
Lieferando änderte in dieser Zeit seine Strategie. Auf einmal musste man für das Ranking viel Geld bezahlen. Bewertungen waren nur noch zweitrangig. Gym Cook verschwand praktisch aus der Sichtbarkeit und mit ihr ein großer Teil des Umsatzes.
Co-Founder-Trennung: Wenn Visionen auseinandergehen
Parallel zu den operativen Herausforderungen kam es zu einem weiteren Einschnitt: der Trennung vom Co-Founder. Nach Jahren enger Zusammenarbeit, geprägt von gemeinsamen Höhen und Tiefen, wurde klar, dass sich die Wege der beiden Gründer auseinanderentwickelt hatten.
Die Dynamik beschreibt Höppner selbst als vergleichbar mit einer langen Beziehung: intensiv, fordernd und nicht immer konfliktfrei. Über die Zeit traten Unterschiede immer stärker hervor, sowohl auf persönlicher Ebene, als auch in der Art zu arbeiten.
Während sein Co-Founder stark perfektionistisch geprägt war, setzte Höppner auf Geschwindigkeit und Iteration: lieber mit einem zu 80 Prozent fertigen Konzept an den Markt gehen und dort lernen, statt auf Perfektion zu warten. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen funktionierten eine Zeit lang gut, als sich ergänzende Pole. Doch irgendwann fehlte die gemeinsame Mitte. Die Trennung war entsprechend kein einfacher Schritt. Neben der persönlichen Ebene hing auch das gemeinsam aufgebaute Unternehmen daran, inklusive Marke, Strukturen und Zukunftsvision.
Jan Höppner ist Seriengründer aus München und Gründer von Gym Cook, einem Konzept an der Schnittstelle von Fitness und Gastronomie. Bereits mit 23 Jahren startete er sein erstes Unternehmen direkt nach dem BWL-Studium und sicherte sich früh eine Finanzierung von 250.000 Euro. Neben dem Aufbau von Gym Cook engagiert er sich als Entrepreneurship-Dozent an der Macromedia University sowie als Coach und Mitgründer von 101Founders, einem Hub für angehende GründerInnen. Darüber hinaus ist er mit weiteren Ventures aktiv, unter anderem im Bereich digitale Transformation, und unterstützt Unternehmen beim Aufbau skalierbarer Geschäftsmodelle. (Foto: 101Founders)
Der harte Cut: Zurück auf Anfang
Die Konsequenz aus den Krisen: ein radikaler Neustart.
Höppner verschlankte radikal die Strukturen, hielt das Unternehmen bewusst kleiner und stellte es effizienter auf. MitarbeiterInnen mussten gehen, Prozesse wurden neu gedacht – mit dem klaren Ziel, unabhängiger und resilienter zu werden.
Heute verfolgt Gym Cook einen anderen Ansatz. Statt maximalem Wachstum steht Profitabilität im Fokus. Die zentrale Erkenntnis: Selbst Millionenumsätze sind wertlos, wenn sie nicht nachhaltig sind. Höppner setzt deshalb auf ein asset-light Modell mit kleineren, profitablen Einheiten. Im Fokus stehen sogenannte Store-in-Store-Konzepte. Kooperationen mit bestehenden Gastronomien, bei denen Infrastruktur und Fixkosten geteilt werden.
Was GründerInnen daraus lernen können
Für Höppner ist klar: Unternehmertum ist kein geradliniger Weg, sondern eine Abfolge von Lernprozessen, Rückschlägen und Anpassungen. Viele der größten Erkenntnisse kamen nicht in den Hochphasen, sondern genau dann, wenn es wehgetan hat.
Eine der wichtigsten Grundlagen ist für ihn eine große, langfristige Vision. Nicht als Buzzword, sondern als echtes inneres Bild davon, wo die Reise hingehen soll. Denn genau diese Vision ist es, die durch die schwierigen Phasen trägt. Wenn Umsätze einbrechen, Entscheidungen getroffen werden müssen oder das eigene Modell plötzlich nicht mehr funktioniert.
Gleichzeitig betont er, wie wichtig es ist, die Realität nicht zu unterschätzen. Gründen ist aus seiner Sicht fast immer härter, als man es sich am Anfang vorstellt – operativ, mental und finanziell. Wer sich darauf einlässt, muss bereit sein, Rückschläge auszuhalten und trotzdem weiterzumachen.
Ein weiterer zentraler Punkt: Geschwindigkeit und Lernfähigkeit. Statt zu lange an Konzepten zu feilen, setzt Höppner heute bewusst auf schnelle Iteration. Ideen müssen früh an den Markt, Feedback muss schnell verarbeitet werden. Perfektion entsteht nicht im stillen Kämmerlein, sondern im echten Betrieb.
„Du musst eine riesengroße Vision haben, die dich trägt. Gleichzeitig musst du davon ausgehen, dass es noch härter wird, als du denkst. Und am Ende brauchst du auch diese gesunde Naivität, weil du sonst wahrscheinlich gar nicht anfangen würdest.“