Niclas Lehnert von Pulsetrain zu Gast bei Pitch & People
Foto: Munich Startup

Pulsetrain: Wie E-Autos bald Geld verdienen

Elektroautos verbrauchen Strom – klar. Doch was, wenn sie künftig selbst Geld verdienen könnten? Pulsetrain-Gründer Niclas Lehnert und sein Team entwickeln eine Technologie, die Batterien nicht nur länger leben lässt, sondern sie in Zukunft zum aktiven Bestandteil des Stromnetzes macht. Damit könnte die Elektromobilität erstmals nicht nur Energie verbrauchen, sondern auch Geld einbringen. Das und mehr erfahrt ihr in der neuen Videopodcastfolge von Pitch & People.

Vom Stromverbraucher zum Stromlieferanten

Was sich anhört wie Science Fiction, ist bei Pulsetrain längst technologischer Alltag. Mit bidirektionalem Laden sollen Elektrofahrzeuge künftig nicht nur Strom aufnehmen, sondern diesen bei Bedarf auch wieder abgeben können – etwa dann, wenn Energieversorger kurzfristig Stromspitzen ausgleichen müssen. Niclas Lehnert, Gründer von Pulsetrain sagt dazu im Videopodcast Pitch & People:

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PITCH & PEOPLE Folge 6: Pulsetrain

Cleantech Startup
Elektroautos verbrauchen Strom – klar. Doch was, wenn sie künftig selbst Geld verdienen könnten? Pulsetrain-Gründer Niclas Lehnert und sein Team entwickeln eine Technologie, die Batterien…

„Du bekommst praktisch Geld für die Energie, die im Fahrzeug gespeichert ist – Cash ausbezahlt. Das ist der erste Moment in der Geschichte der Mobilität, in dem man mit einem Auto nicht nur Geld verbraucht, sondern wirklich auch wieder Geld verdienen kann.“

Damit wird das E-Auto zum Mini-Kraftwerk auf vier Rädern – oder im Ernstfall sogar zur Notstromquelle, wenn das Netz ausfällt.

Technologie mit Tiefgang: Kontrolle auf Zellebene

Pulsetrain will den Lebenszyklus der Batterie revolutionieren. Während herkömmliche Systeme alle Zellen gleich behandeln, ermöglicht die Lösung des Startups die gezielte Steuerung einzelner Zellen und damit eine deutlich längere Lebensdauer.

„Wir arbeiten auf Zellebene. So können wir jede Zelle individuell ansteuern, anstatt sie pauschal gleich zu behandeln.“,

erklärt Lehnert.

Das Ergebnis: bis zu 18 Jahre Lebensdauer statt der branchenüblichen 10 bis 15 Jahre.
Die Technologie basiert auf einer Kombination aus intelligenter Leistungselektronik und Software, die direkt mit der Batterie interagiert – nicht nur über Kühlsysteme oder äußere Faktoren wie bei herkömmlichen Herstellern.

Pulsetrain vs. BMW: Ein Game Changer im Detail

Auch große Hersteller wie BMW haben das Thema Batterielebensdauer erkannt. Mit der „Neuen Klasse“ verspricht BMW bis zu 15 Jahre Haltbarkeit der Batterie – ein beachtlicher Fortschritt.
Lehnert sieht darin aber vor allem eine Bestätigung des eigenen Ansatzes:

„BMW hat bei der neuen Klasse technologisch einen sehr guten Schritt nach vorne gemacht, vor allem durch verbesserte Kühlsysteme. Aber sie greifen immer von außen auf die Zelle zu. Wir gehen direkt hinein.“

Während BMW über optimierte Nebenbedingungen wie Kühlung und Wärmemanagement Effizienzgewinne erzielt, setzt Pulsetrain auf den direkten elektronischen Zugriff auf jede einzelne Zelle.
Der Unterschied: Pulsetrain verändert nicht die Umgebung der Batterie, sondern die Batterie selbst und kann dadurch gezielt schwächere Zellen ausgleichen, anstatt das gesamte System auf sie abzustimmen. Das führt zu längerer Lebensdauer, höherer Reichweite und schnelleren Ladezeiten.

Zweites Leben für alte Batterien

Auch am Ende ihres Lebens im Fahrzeug müssen Batterien bei Pulsetrain nicht ins Recycling. Stattdessen will das Unternehmen den „Missing Link“ im Batteriekreislauf schließen: Mit einem einfachen Software-Update sollen aus gebrauchten Fahrzeugbatterien stationäre Energiespeicher werden – etwa für Solarparks oder Stromnetze. Niclas Lehnert beschreibt das so:

„Wir verschieben das Recycling ans wirkliche Ende des Lebenszyklus. Zwischen Anwendung und Recycling eröffnen wir einen neuen Use Case.“

Damit verlängert Pulsetrain die Nutzung von Batterien um Jahre – ein wichtiger Hebel für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz in der Elektromobilität.

Technologievorsprung aus Europa

Während asiatische Märkte in der Batterieproduktion führend sind, positioniert sich Pulsetrain bewusst europäisch. Lehnert betont:

„Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen der Zelle und der Anwendung. Und genau da liegt unser Vorteil.“

Mit dieser Spezialisierung auf Elektronik und Software besetzt das Münchner Startup eine Marktlücke zwischen Zellproduktion und Fahrzeugintegration. Erste Prototypen sind gebaut, erste Kundenprojekte gestartet, unter anderem mit Handmann aus Baden-Württemberg. Nach einer Seed-Finanzierung über 6,1 Millionen Euro arbeitet Pulsetrain nun an der Industrialisierung und Kommerzialisierung seiner Technologie. Die Serienreife soll in etwa 12 bis 15 Monaten erreicht werden.

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