© Coby

Coby: ‚Emotional Tech‘ für Kinder mit besonderen Bedürfnissen

Das Münchner Startup Coby entwickelt mehr als nur ein Hightech-Kuscheltier: Ein KI-gestützter Plüsch-Companion, der Kindern mit besonderen Herausforderungen zuhört, Tipps gibt und Eltern entlastet. Gegründet von David Cañadas Link (CEO/CPO), Philipp Steudle (CFO/CMO) und Reza Roustaei (CTO/COO), gibt uns Co-Founder Cañadas Link im Interview einen Einblick über das Plüschtier, das Emotionen, Technologie und Alltagshilfe verbindet.

Munich Startup: Was macht Coby? Welches Problem löst Ihr?

David Cañadas Link: Coby entwickelt einen KI-gestützten Plüsch-Companion für Kinder mit besonderen Herausforderungen und ihre Familien. Viele Kinder – etwa mit chronischen Erkrankungen, ADHS oder getrennten Eltern – fühlen sich im Alltag überfordert, nicht verstanden oder allein. Coby bietet praktische Tipps, emotionale Unterstützung und spielerische Routinen – datenschutzkonform, kindgerecht und jederzeit verfügbar. Dabei bindet Coby Eltern aktiv in den Prozess mit ein.

Die Entstehungsgeschichte von Coby: persönliche Erfahrung als Antrieb

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!?

David Cañadas Link: Nein. Es gibt Spielzeuge, die unterhalten, und Apps, die Wissen vermitteln. Aber ein echter Coping-Buddy, der Kinder versteht, ihnen zuhört und zugleich Eltern entlastet – das gibt es bisher nicht. Coby verbindet Spiel, Empathie und KI-gestützte Coping-Strategien in einer neuen Kategorie: „Emotional Tech for Children“.

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

David Cañadas Link: Die Idee entstand 2020, als ich die Diagnose Morbus Stargardt erhielt – eine unheilbare Augenerkrankung. Es fehlten nicht medizinische Antworten, sondern alltägliche Hilfen: Wie passe ich mich an, wie kommuniziere ich meine Einschränkung, wie lebe ich damit? Gemeinsam mit der Patientenvereinigung ProRetina und inspiriert durch meine Erfahrung wurde klar: Kinder und Familien brauchen einen Begleiter, der immer verfügbar ist. So entstand Coby.

Herausforderungen für Coby: Datenschutz, klinische Anforderungen und Design

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

David Cañadas Link: Eine der größten Herausforderungen war es, klinische Anforderungen mit Datenschutz und kindgerechtem Design zu verbinden – vor allem in Bezug auf die Anwendung neuer KI-Technologien. Wir mussten ein System schaffen, das sicher, lokal datenschutzkonform und zugleich spielerisch attraktiv für Kinder ist. Außerdem: der Balanceakt zwischen schnellem Prototyping und hohem Qualitätsanspruch.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

David Cañadas Link: Wir haben bereits über 170.000 Euro anteilsfreie Förderung über EXIST und AI+Munich erhalten und mehrere Awards wie den Strascheg Award, Digicon Award und den Munich Impact Startup Award gewonnen. Unsere Community umfasst auf TikTok bereits über 13.000 Eltern, die unsere Coping-Tipps aktiv nutzen.

In einem Jahr möchten wir mit unseren ersten 20 bis 30 Prototypen umfangreiche Tests mit ExpertInnen, Familien und Schulen durchführen, die den Prototypen im Alltagsgeschehen aktiv testen und als Unterstützungssystem einsetzen.

Anschließend wollen wir gemeinsam mit der Haunerschen Kinderklinik der LMU eine umfassende klinische Studie zum Einsatz im Klinik-Kontext durchführen – mit dem Ziel, Coby als medizinisches Produkt zu erproben und die KI weiter zu optimieren.

In fünf Jahren wollen wir mit Coby tausende Familien im Alltag begleiten – zu Hause, in Schulen und in Kliniken, europaweit.

München als Förderumfeld und Startup-Standort

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

David Cañadas Link: München bietet uns ein starkes Umfeld: Mit dem Start und der Beratung über das Strascheg Center for Entrepreneurship, der gemeinsamen Erarbeitung des EXIST-Antrags mit der Hochschule München, der wertvollen Begleitung des Munich Impact Incubators und der zusätzlichen Förderung von AI+Munich haben wir enorm wertvolle Unterstützung und Mentoring (unter anderem durch Professor Sebastian Dünnebeil) erhalten. Außerdem: ein starkes Netzwerk von Förderprogrammen und InvestorInnen.

Munich Startup: Outsourcen oder selber machen?

David Cañadas Link: Die Kerntechnologie und KI-Modelle, sowie das zugrundeliegende Interaktionsdesign und die Softwarearchitektur entwickeln wir selbst, um Qualität und Sicherheit zu garantieren. Für Hardware- und Plüschentwicklung arbeiten wir mit spezialisierten PartnerInnen zusammen – dort, wo Expertise und Produktionskapazität entscheidend sind.

weiterlesen ↓