Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?
Yannik Süß, Gründer von Webmetic: Webmetic identifiziert die Unternehmen hinter anonymen Website-Besuchern – völlig cookielos und DSGVO-konform. Das Problem: 98 Prozent der B2B-Website-Besucher bleiben anonym und verschwinden, ohne Kontakt aufzunehmen. Das ist verschwendetes Potenzial, denn diese Unternehmen haben bereits Interesse gezeigt. Wir erkennen diese Besucher und reichern sie mit umfassenden Firmendaten an: Branche, Größe, digitale Präsenz und Kontaktmöglichkeiten.
Zusätzlich bieten wir Smart Pages, die Websites in Echtzeit an das besuchende Unternehmen anpassen – personalisierte Headlines, passende Referenzen und branchenspezifische Inhalte auf der gesamten Website. So wird aus einer statischen Website ein dynamisches Vertriebstool.
Unsere über 200 registrierten Nutzer profitieren von unserer Technologie, um gezielt nachzufassen und ihre Conversion-Rates zu steigern. Die Lösung macht moderne B2B-Marketing-Strategien auch für den Mittelstand zugänglich.
„Unser Alleinstellungsmerkmal sind die Smart Pages“
Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!
Yannik Süß: Ja, Besucheridentifikation gibt es – aber nicht so! Viele Anbieter nutzen noch Cookies, was datenschutzrechtlich problematisch ist und durch Browser-Blockaden zunehmend ineffektiv wird. Wir arbeiten komplett cookielos mit einem proprietären Verfahren, das ein externes Rechtsgutachten als 100 Prozent DSGVO-konform bestätigt hat.
Der entscheidende Unterschied liegt in unserem phänomenalen Datensatz mit über 55 Datenfeldern pro Unternehmen – von NACE-Codes über digitale Präsenz bis zu detaillierten Unternehmensbeschreibungen.
Unser Alleinstellungsmerkmal sind die Smart Pages: Die Website passt sich in Echtzeit an den Besucher an. Diese Technologie ermöglicht eine völlig neue Dimension der Personalisierung. Wir wurden speziell für die Post-Cookie-Ära entwickelt und bieten die zukunftssichere Alternative, die Datenschutz und Marketing-Effizienz vereint.
Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?
Yannik Süß: Als externer IT Analytics Manager bei der Messe München war ich für die digitale Analyse aller Events zuständig – von IAA Mobility bis Bauma. Ein Fachbereich kam auf mich zu mit der Bitte, Wettbewerbslösungen für Besucheridentifikation zu analysieren. Bei der Recherche stellte ich fest: Die bestehenden Systeme waren in meinen Augen Legacy-Technologie – entweder nicht DSGVO-konform oder mit unzureichenden Daten. Naiv dachte ich: „Das kann ich besser!“
Es folgten zahlreiche schlaflose Nächte, bis der erste Prototyp stand. Langsam wurde das Thema bei der Messe München immer weiter ausgerollt und viele Fachbereiche profitierten direkt von den Datensätzen. Danach konnte ich auch Condor für die Idee begeistern, was nach einem erfolgreichen Pitch zu weiterer Dynamik führte. Heute, nach der Gründung im Januar 2025, haben wir über 200 registrierte Nutzer, die Webmetic aktiv einsetzen. Was als interne Lösung begann, ist heute ein eigenständiges Produkt, das echten Mehrwert schafft.
Wie kann man DSGVO-konform sein ohne Cookies?
Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?
Yannik Süß: Die technische Herausforderung war enorm: Eine präzise Identifikation ohne Cookies zu entwickeln, die gleichzeitig rechtssicher ist. Unser System verarbeitet heute bis zu 4.000 Datenpunkte pro Sekunde – diese Infrastruktur aufzubauen und stabil zu halten, war eine massive Herausforderung.
Die zweite Hürde: Vertrauen aufbauen. „DSGVO-konform ohne Cookies“ klingt für viele zu gut, um wahr zu sein. Wir mussten beweisen, dass unsere Technologie funktioniert und rechtlich einwandfrei ist. Das externe Datenschutzgutachten war essentiell, aber auch aufwendig zu erlangen. Die 14-tägige kostenlose Testphase hilft heute enorm – Kunden sehen sofort die identifizierten Unternehmen und sind überzeugt. Die größte Herausforderung bleibt die Balance zwischen rapidem Wachstum und Qualitätssicherung bei der Datenverarbeitung.
Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?
Yannik Süß: In einem Jahr möchten wir uns fest am Markt etabliert haben und vielen B2B-Unternehmen helfen, ihre Websites zu personalisieren. Es wäre schön, ein eingespieltes Team aufgebaut zu haben und dass der Name Webmetic in der B2B-Marketing-Szene bekannt ist. Wir wollen die Go-to-Lösung für cookielose Besucheridentifikation im DACH-Raum sein.
In fünf Jahren sehen wir uns als solides, profitables Unternehmen im B2B-Markt – der Standard für datenschutzkonforme Website B2B Personalisierung. Unser Ziel ist es, dass Smart Pages so selbstverständlich werden wie auch andere Produkte aus dem Analytics Bereich. Wir möchten organisch wachsen, unsere Technologie kontinuierlich verbessern und dabei unseren Kunden immer einen echten Mehrwert bieten. Die Vision: Jede B2B-Website nutzt intelligente Personalisierung, und Webmetic macht das möglich.
Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?
Yannik Süß: München hat wahnsinnig viel zu bieten! Bei Xpreneurs von UnternehmerTUM waren wir unter den letzten Kandidaten – eine großartige Möglichkeit für Sichtbarkeit und Feedback. Die Werk1-Community hat uns ein super Angebot für Büroräume gemacht, das wir aktuell noch nicht annehmen konnten, da unser Team noch zu verstreut in Deutschland arbeitet.
Die zahlreichen Events von Baystartup bieten perfekte Vernetzungsmöglichkeiten und wir hatten kompetente Ansprechpartner, die uns alle Fragen beantworten konnten. Ein Highlight war die Einladung der Stadt München zur Delegationsreise zur Vivatech nach Paris – eine unglaubliche Chance für internationale Kontakte. Auch die HypoVereinsbank hat früh an unsere Idee geglaubt und uns ordentlich unterstützt. München bietet ein fantastisches Ökosystem für B2B-Startups – von der Nähe zu Konzernen bis zur lebendigen Gründerszene.
Organisches Wachstum im Vordergrund
Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?
Yannik Süß: Wir sind komplett gebootstrapped und wollen das erstmal auch bleiben. Mit Webmetic geht ein Traum in Erfüllung: etwas Sinnvolles zu erarbeiten und unseren Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Es geht uns nicht um den schnellen Exit, sondern darum, ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen, das echte Probleme löst.
Wir glauben an organisches Wachstum und möchten die Kontrolle über unsere Vision behalten. Natürlich schließen wir Investoren für die Zukunft nicht aus, aber aktuell konzentrieren wir uns darauf, profitabel zu werden und unsere Technologie weiterzuentwickeln. Der lange Atem zahlt sich aus – wir bauen etwas auf, das Bestand hat und den B2B-Marketing-Markt nachhaltig verändert.