Foto: Flash Tissue Diagnostics

Flash Tissue Diagnostics will Krebsdiagnostik auf neues Niveau heben

Flash Tissue Diagnostics bringt mit seiner proprietären Flash-Technologie die 3D-Gewebeanalyse in die Krebsdiagnostik. Das Münchner Startup ermöglicht schnellere, präzisere und tiefere Einblicke – ein Meilenstein für Forschung und Klinik. Mehr dazu im Interview mit CEO Dr. Karim Tabiti, CSO Prof. Axel Behrens und CTO Dr. Hendrik Messal.

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Karim Tabiti, Axel Behrens und Hendrik Messal, Flash Tissue Diagnostics: Flash Tissue Diagnostics revolutioniert die Gewebeanalyse in der Pathologie. Unsere proprietäre Flash-Technologie macht biologisches Gewebe hochtransparent und ermöglicht die hochauflösende Detektion einzelner Zellen und subzellulärer Strukturen, selbst tief im Gewebeinneren.

Das ist besonders entscheidend in der Krebsdiagnostik, etwa bei der Sentinel Lymphknoten Analyse, wo frühe und präzise Diagnosen bei Therapieentscheidungen und letztlich für das Leben von Patientinnen entscheidend sein können. Unser Ziel ist es, die Diagnostik auf ein neues Niveau zu heben – schneller, präziser und dreidimensional.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Karim Tabiti, Axel Behrens und Hendrik Messal: Nein, eben nicht – und genau deshalb haben wir gegründet!

Bisherige Methoden der Gewebeanalyse sind zweidimensional, zeitaufwendig und oft begrenzt in ihrer Aussagekraft. Die Flash-Methode vereint Tissue Clearing und Routine-Fähigkeit in einem Workflow, der auf bestehenden Plattformen automatisiert werden kann. Unsere Technologie eröffnet völlig neue Möglichkeiten der 3D-Spatial-Biology, insbesondere in der Analyse von organoiden Tiermodellen und menschlichem Tumorgewebe. So etwas gab es in dieser Form und Qualität bisher nicht in der klinischen Praxis oder in der translationalen Forschung.

Von der Forschung zum Startup in Rekordzeit

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Karim Tabiti, Axel Behrens und Hendrik Messal: Die wissenschaftlichen Grundlagen von Flash wurden bereits 2019 in Nature veröffentlicht von unseren Gründern Prof. Axel Behrens und Dr. Hendrik Messal. Beide sind international anerkannte Experten in der Krebsforschung.

Die Idee, daraus ein Startup zu machen, entstand, weil wir gemerkt haben: Diese Technologie kann PatientInnen helfen – aber sie muss raus aus dem Labor und rein in die Klinik. Im Juli 2024 haben wir Flash Tissue Diagnostics gegründet. Nur ein Jahr später launchen wir bereits unser erstes Produkt, ein RUO-Kit zur Organoid-Detektion. Ein enorm schneller Weg von der Forschung zur Anwendung.

Ein zentraler Meilenstein auf diesem Weg war der Einstieg von Dr. Karim Tabiti als CEO von Flash TD. Karim bringt über 25 Jahre Erfahrung in der Diagnostikindustrie mit, u.a. in Führung bei Roche und als CEO eines QIAGEN-Joint Ventures, und hat maßgeblich unsere wissenschaftliche Vision marktreif gemacht.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Karim Tabiti, Axel Behrens und Hendrik Messal: Eine der größten Herausforderungen war und ist es, InvestorInnen für den Bereich Diagnostik zu begeistern. Obwohl das Potenzial enorm ist – sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich – gilt Diagnostik in der Startup- und Investmentwelt oft als „schwieriges Terrain“. Lange Entwicklungszyklen, regulatorische Hürden und hohe Anforderungen an Validierung und Qualität schrecken viele ab. Dabei ist genau hier ein riesiger Hebel für echte Fortschritte in der Krebsmedizin – durch frühere, präzisere und personalisierte Diagnosen. Aber es ist eben kein Sprint, sondern ein Marathon.

Wir mussten viel Aufklärungsarbeit leisten, um den Mehrwert unserer Technologie zu vermitteln, sowohl in Bezug auf Patientennutzen als auch auf Marktchancen. Gleichzeitig haben wir unsere Flash-Technologie so weiterentwickelt, dass sie auch im Forschungsmarkt relevant industriell skalierbar und wirtschaftlich attraktiv ist. Diese Balance aus wissenschaftlicher Exzellenz und wirtschaftlicher Umsetzbarkeit war und ist eine anspruchsvolle, aber entscheidende Aufgabe.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Karim Tabiti, Axel Behrens und Hendrik Messal: In einem Jahr wollen wir unser Flash-System in führenden Forschungslaboren weltweit etabliert haben, insbesondere im Bereich 3D-Spatial-Biology und Krebsmodellierung.

In fünf Jahren möchten wir klinisch zugelassene Diagnostiklösungen auf Basis der Flash-Technologie anbieten, die weltweit in Pathologien und Krebszentren zum Einsatz kommen. Unser Ziel ist es, durch frühere und präzisere Diagnosen einen messbaren Beitrag zur Steigerung der Überlebensrate bei Krebs zu leisten.

München als ideales Umfeld für Life-Science-Innovationen

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Karim Tabiti, Axel Behrens und Hendrik Messal: München bietet ideale Voraussetzungen für Life-Science-Startups: eine starke Forschungslandschaft, exzellente Infrastruktur, Zugang zu Talenten und Nähe zur Industrie.

Was uns besonders hilft, ist das Netzwerk: Die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz und unternehmerischer Unterstützung, etwa durch Inkubatoren wie das MAXL, sowie Investoren- und Branchenevents organisiert von Baystartup und UnternehmerTUM, machen München zu einem Ort an dem man medizinische Innovation wirklich vorantreiben kann.

Munich Startup: Risiko oder Sicherheit?

Karim Tabiti, Axel Behrens und Hendrik Messal: Ganz klar: Kontrolliertes Risiko mit wissenschaftlicher Substanz. Wir sind überzeugt von unserem Ansatz, aber wir verlassen uns nicht auf ein Bauchgefühl – wir setzen auf harte Daten, validierte Methoden und klare Ziele. In der Diagnostik geht es um Menschenleben, da braucht es Mut zur Innovation aber auch Verantwortungsbewusstsein, Struktur und Qualität. Unser Ansatz verbindet beides.

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