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KfW-Gründungsmonitor 2025: GründerInnen in Deutschland so jung wie nie

Der KfW-Gründungsmonitor 2025 zeigt: GründerInnen in Deutschland sind im Schnitt 34,4 Jahre alt – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Besonders die Gruppe der unter 30-Jährigen wächst deutlich.

Laut KfW-Gründungsmonitor 2025 waren ExistenzgründerInnen in Deutschland im vergangenen Jahr im Durchschnitt so jung wie nie seit Beginn der Erhebung. Das mittlere Alter lag bei 34,4 Jahren. Anfang der 2000er-Jahre betrug es noch meist 37 bis 38 Jahre. Besonders deutlich fällt der Anstieg in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen aus: Ihr Anteil kletterte auf 39 Prozent – der höchste bisher gemessene Wert.

Die langfristige Verjüngung hängt vor allem mit einem Rückgang älterer GründerInnen zusammen. Im Jahr 2024 machten 40- bis 49-Jährige nur noch 16 Prozent aus, 50- bis 65-Jährige sogar nur 12 Prozent – der bisher niedrigste Anteil sogenannter „Silver Entrepreneurs“. Im Vorjahr lagen diese Werte noch bei 19 bzw. 15 Prozent.

Das sind Ergebnisse des jährlich erscheinenden Gründungsmonitors. Im Jahr 2024 wurden für den KfW-Gründungsmonitor repräsentativ 50.000 Telefoninterviews sowie erstmals zusätzlich 10.000 Online-Interviews geführt. Der Begriff Gründerinnen und Gründer ist dabei breit definiert: Dazu zählen Menschen, die sich im Voll- oder Nebenerwerb, freiberuflich oder gewerblich, per Neugründung, Beteiligung oder Übernahme selbständig gemacht haben.

Leichter Anstieg der Gründungstätigkeit

Im Jahr 2024 wurden insgesamt 585.000 Existenzgründungen gezählt – 17.000 mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Plus von 3 Prozent. Der Anstieg geht allein auf Nebenerwerbsgründungen zurück, die um 5 Prozent auf 382.000 wuchsen. Vollerwerbsgründungen gingen hingegen leicht zurück und lagen bei 203.000.

Der abkühlende Arbeitsmarkt dürfte zur Zunahme beigetragen haben. Trotz dieser Entwicklung bleibt die Gründungsneigung in Deutschland insgesamt niedrig.

„Die Gründungsneigung in Deutschland ist gering. Das lag in den vergangenen Jahren sicher auch an der gut laufenden Wirtschaft, die Menschen haben sich für die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses entschieden. Das ist eine Mentalitätsfrage. Es geht aber auch um Bildung“,

erklärt Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. Er verweist auf die Bedeutung finanzieller Bildung:

„Mehr Zutrauen bei finanziellen Themen erhöht die Wahrscheinlichkeit zu gründen. Von daher ist es positiv, dass die neue Regierung in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten hat, Entrepreneurship Education als Ziel für Schulqualität und Lehrerbildung zu ergänzen.“

Strukturelle Veränderungen bei Kapital und Gründungsform

Die Gründungen werden kapitalintensiver: 2024 reichten bei nur noch 56 Prozent der Gründungen bis zu 5.000 Euro Startkapital aus – zuvor waren es oft über zwei Drittel. Zudem setzten 75 Prozent der GründerInnen ausschließlich auf Eigenmittel, ein historischer Höchstwert.

Der Anteil der Neugründungen lag bei 83 Prozent, während Übernahmen und Beteiligungen mit 10 bzw. 7 Prozent seltener blieben. Schumacher mahnt:

„Die Nachfolgelücke bei Unternehmen ist enorm. Wünschenswert wäre daher, dass sich mehr Menschen dazu entschließen, bestehende Unternehmen zu übernehmen.“

Einen neuen Höchststand erreichte auch der Digitalisierungsgrad: 36 Prozent der Gründungen waren digital angelegt. Außerdem entstanden durch Neugründungen 485.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze.

Ein weiterer Lichtblick: Die Gründungspräferenz bei jungen Menschen bleibt hoch. 36 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gaben an, lieber selbstständig als angestellt arbeiten zu wollen. Die Planungsquote erholte sich nach einem Tief 2023 auf 4,9 Prozent.

„Wir erwarten für 2025 leicht steigende Gründungszahlen“,

so Schumacher.

Der Anteil von Gründerinnen lag 2024 bei 36 Prozent. Im langjährigen Durchschnitt entfallen 39 Prozent der Gründungstätigkeit auf Frauen. Auffällig ist, dass sie häufiger eine zeitlich begrenzte Selbstständigkeit anstreben (28 Prozent) als ihre männlichen Kollegen (17 Prozent).

Der komplette KfW-Gründungsmonitor ist hier abrufbar.

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