Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?
Kristina Schreiner, Co-Founder & Managing Director: Chewsome ist das erste Startup in Europa, das tiefgekühlte, greifbare, also nicht pürierte Baby- und Kleinkindmahlzeiten entwickelt hat, speziell für Baby-Led Weaning (BLW) und Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren. Baby-Led Weaning bedeutet, dass das Baby selbstständig isst, statt gefüttert zu werden. Es fördert die motorische Entwicklung, stärkt das intuitive Essverhalten und hilft, von Anfang an ein gesundes Verhältnis zu Nahrung aufzubauen. Dazu braucht es feste Nahrung, die Babys selbst greifen können – nicht pürierten Brei. Somit lösen wir ein Problem, das viele Eltern kennen: Sie wollen ihrem Kind frisches, gesundes Essen anbieten, haben aber weder die Zeit noch die Nerven, jeden Tag zu kochen. Gleichzeitig ist das Angebot im Handel geprägt von Gläschen und Quetschies, also nicht gerade das, was man als „richtige Nahrung“ bezeichnen würde.
Chewsome bringt echte, nährstoffreiche Mahlzeiten in die Tiefkühltruhe. 100 Prozent bio, ohne Zusätze, und so konzipiert, dass Kinder selbstständig essen können.
„Wir schaffen gerade eine neue Kategorie“
Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!
Kristina Schreiner: Genau das dachten wir auch. Und dann haben wir angefangen zu recherchieren: Es gibt zwar unzählige Breisorten und Quetschies, aber kein einziges Produkt, das BLW-konform, babygeeignet, clean label und wirklich praktisch ist. Auch Bio-Tiefkühlprodukte für Kinder sind extrem selten und wenn, dann erst ab 3 Jahren und oft mit zugesetztem Salz, Zucker oder Stabilisatoren. Wir schaffen gerade eine neue Kategorie: tiefgekühltes Babyfood, das aussieht wie selbstgemacht, aber industriell sicher produziert wird.
Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?
Kristina Schreiner: Chewsome begann mit meinem eigenen Kind, genauer gesagt: mit einem Problem beim Essen. Mein großer Sohn hat keinen Brei gegessen, also bin ich auf Baby-Led Weaning (BLW) umgestiegen. Ich war begeistert davon, wie sehr das seine Selbstständigkeit und sein Interesse an echtem Essen gefördert hat. Aber gleichzeitig stand ich vor einem Dilemma: Ich hatte einen anspruchsvollen Job und einfach zu wenig Zeit um jeden Tag frisch zu kochen.
Die Produkte, die ich gebraucht hätte, gab es schlicht nicht. Also habe ich angefangen, selbst zu entwickeln. Aus dieser ganz persönlichen Erfahrung ist Chewsome entstanden und mittlerweile sind wir drei Gründerinnen, die mit derselben Überzeugung für bessere Kinderernährung antreten: gesund, greifbar, ohne Kompromisse.
Große Herausforderung: Kapitalbeschaffung
Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?
Kristina Schreiner: Ganz klar: die Beschaffung von Rohwaren in Babyfood-Qualität. Wir testen jede Charge auf über 200 mögliche Kontaminanten. Das ist teuer, aufwendig und für viele Zutaten schwer umsetzbar. Spinat in Babyqualität? Nur aus China oder Südamerika – beides keine Option für uns. Gleichzeitig mussten wir die Balance finden zwischen regulatorischer Sicherheit und elterlicher Alltagstauglichkeit. Und natürlich: Finanzierung. Es ist nach wie vor nicht leicht, mit „Babynahrungsthemen“ Kapital einzuwerben, und dass obwohl der Markt riesig ist.
Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?
Kristina Schreiner: In einem Jahr möchten wir Chewsome deutschlandweit im stationären Handel etablieren, mit mindestens drei Produktlinien. In fünf Jahren wollen wir die führende Marke für tiefgekühlte Baby- und Kleinkindnahrung in Europa sein – mit einem Sortiment, das Eltern in jeder Entwicklungsphase ihres Kindes unterstützt. Unser Ziel ist, Convenience und Verantwortung neu zu denken, und zwar ohne Kompromisse.
„Für unsere Produktion mussten wir nach NRW ausweichen“
Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?
Kristina Schreiner: Wir lieben das Netzwerk in München, es gibt viele engagierte GründerInnen, tolle Events und eine wachsende Community rund um Female Founders und Impact Startups. Was uns allerdings fehlt, sind offene, flexible Lebensmittelproduzenten. Für unsere Produktion mussten wir nach NRW ausweichen, weil wir in und um München keine Partner gefunden haben, die mit unseren Anforderungen an Babyfood-Qualität, kleine Chargen und Innovation umgehen konnten.
Trotzdem haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der lokale Biohandel und die regionale Food-Szene in Zukunft offener für neue Konzepte wie unseres wird. München hat definitiv das Potenzial, ein starker Standort für nachhaltige Lebensmittel-Innovationen zu sein. Dafür braucht es aber mehr Mut zur Zusammenarbeit jenseits des klassischen Bio-Standards.
Munich Startup: Outsourcen oder selber machen?
Kristina Schreiner: Beides, aber bewusst. Wir machen alles selbst, was mit Vision, Markenaufbau, Produktentwicklung und Kundennähe zu tun hat. Unsere Qualität ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Kontrolle, Detailtiefe und vielen schlaflosen Nächten. Gleichzeitig wissen wir, wann es Sinn macht, ExpertInnen dazuzuholen, etwa bei regulatorischen Themen oder Logistik. Unsere Devise: selber denken, aber nicht alles selber machen müssen.