Foto: mbiomics

Mbiomics: Therapie-Revolution aus dem Mikrobiom

Das Biotech-Startup mbiomics will mit einer neuartigen TechBio-Plattform Mikrobiom-basierte Therapien revolutionieren. Das Ziel: maßgeschneiderte Medikamente mit über 100 Bakterienstämmen – gegen Krebs, Autoimmun- und neurodegenerative Erkrankungen. CEO und Co-Founder Johannes B. Woehrstein hat unsere Fragen beantwortet.

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Johannes B. Woehrstein, CEO und Co-Founder: Wir von Mbiomics sind ein Biotech-Startup aus München und haben die erste TechBio-Plattform entwickelt, die in der Lage ist, große Konsortien lebender biotherapeutischer Produkte (Live Biotherapeutic Products, LBPs) zu entwerfen, herzustellen und klinisch anzuwenden. Einfach gesagt heißt das, wir wollen Medikamente herstellen, die ein ganzes Ökosystem mit mehr als 100 verschiedenen Darmbakterien enthalten. Unsere Mission ist es, damit die Behandlung immunassoziierter und neurodegenerativer Erkrankungen grundlegend zu verändern. 

Unser technologischer Vorsprung basiert auf drei zentralen Kompetenzen:

  • Proprietäre Analytik, um Multistrain-Ökosysteme präzise zu kartieren und gezielt zu steuern
  • Co-Culturing-Technologie, die eine skalierbare Herstellung komplexer Mikrobien-Konsortien ermöglicht
  • KI-gestützte Design-Tools, um LBPs mit funktioneller Präzision zu entwickeln

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Johannes B. Woehrstein: Stimmt – die Idee, das Mikrobiom für therapeutische Zwecke zu nutzen, ist nicht neu. Aber die Plattform, die wir bei mbiomics entwickelt haben, ist radikal anders. Die meisten anderen Unternehmen bieten Produkte, welche nur aus einzelnen oder wenigen verschiedenen Bakterienkulturen bestehen und daher im Vergleich nur begrenzt wirksam sind. Andere Unternehmen bieten Stuhltransplantationen, die aber sehr teuer und aufwändig sind und deren Wirksamkeit vom Spender abhängt.

Wir sind das erste TechBio-Startup, das eine End-to-End-Plattform bietet, mit der sich komplexe Mikrobiom-Konsortien designen und skalierbar herstellen lassen. Diese sind dann äußerst effektiv und gleichzeitig auch skalierbar.

Vom Forschungslabor zur Therapieplattform

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Johannes B. Woehrstein: Mein Co-Founder Heinrich Grabmayr und ich sind Physiker und erfahrene Biotech-Unternehmer. Wir haben bereits mehrere Technologien aus der Spitzenforschung in kommerzialisierbare Lösungen weiterentwickelt. Bei der mbiomics wurde so aus einer Technologie zur exakten Detektion von Nukleinsäuren zunächst eine quantitative Methode zur Analyse von Bakterien in Stuhlproben und dann eine Plattform zur Entwicklung von Mikrobiom-basierten Therapien.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Johannes B. Woehrstein: Eine große Herausforderung war die Integration eines hochdiversen Teams aus Wissenschaft, Technologie und klinischer Entwicklung. Wir arbeiten mit brillanten Köpfen aus der Grundlagenforschung Physikern, Mikrobiologen, Biochemikern, Datascientists – in vielen eng vernetzen Projekten und unter Zeitdruck. Das erfordert exzellente Kommunikation und Projekmanagementfähigkeiten.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Johannes B. Woehrstein: In einem Jahr werden wir mit einem Pilotprodukt in der Krebstherapie in die klinischen Studien gehen und damit unsere Plattform demonstrieren. In fünf Jahren sehen wir mbiomics als Champion und Wegbereiter für Mikrobiom-basierten Therapien mit klinischen Projekten in mehreren und diversen Krankheitsbereichen: neben der Immunonkologie auch bei neurodegenerativen, inflammatorischen und Autoimmun-Krankheiten.

Hotspot der Biotech-Szene

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Johannes B. Woehrstein: München ist für uns ein idealer Standort. Die Nähe zu exzellenter Forschung, etwa an der LMU, der TUM und dem Helmholtz-Zentrum, die dichte Life-Science-Community sowie der Zugang zu Talenten und Förderprogrammen bilden ein hervorragendes Ökosystem für Biotech-Startups.  Was wir uns jedoch noch wünschen würden, sind mehr spezialisierte Investoren für Deeptech und Life Sciences, die den langen Atem mitbringen, den diese Branche erfordert.

Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?

Johannes B. Woehrstein: Eine vollkommen neuartige therapeutische Modalität zu entwickeln und zu kommerzialisieren, passiert nicht über Nacht.  Eine Firma, die es schafft, über eine proprietäre Plattform sichere und wirksame Therapien für eine Vielzahl von Erkrankungen zu entwickeln, stellt einen Paradigmenwechsel in der pharmazeutischen Entwicklung dar. Um diese kommerzielle Opportunity auszunutzen, ist es essentiell, gleichzeitig ein solides Fundament zu legen und mit maximaler Geschwindigkeit zu arbeiten.

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