Das Team von ZeroEx.
© ZeroEx

ZeroEx: Mit Gestein den Klimawandel bekämpfen

Bei Enhanced Rock Weathering (kurz ERW) wird Gesteinsmehl auf Ackerflächen ausgebracht, das bei seiner Verwitterung CO2 permanent bindet – und nebenbei auch die Bodeneigenschaften verbessert. Das Münchner Startup ZeroEx arbeitet daran, die Methoden zur Nutzung von ERW zu verbessern. Im Interview erklärt das Startup die Details.

Zuerst veröffentlicht am: 18. Oktober 2024

Munich Startup: Was macht Euer Startup ZeroEx? Welches Problem löst Ihr?

ZeroEx: Wir von ZeroEx haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Klimawandel zu bekämpfen und Landwirte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft zu unterstützen.  Das ist notwendig, um die Ziele des Green Deal und anderer globaler Vereinbarungen in den kommenden Jahren zu erreichen. Wir sind das erste Unternehmen in Deutschland, das lokale Projekte zur Kohlenstoffentfernung durch die Methode des Enhanced Rock Weathering (ERW) durchführt.

ERW beschreibt den natürlichen Prozess, bei dem Gestein mit der Kohlensäure im Regen reagiert und stabile Bikarbonate bildet, die das atmosphärische Kohlendioxid für 10.000+ Jahre dauerhaft speichern. Um diesen Prozess von normalerweise Tausenden von Jahren auf nur wenige Jahre zu beschleunigen, wird feines Gesteinspulver auf landwirtschaftliche Flächen gestreut. Dadurch wird nicht nur Kohlenstoff gebunden, sondern der Boden auch mit wichtigen Nährstoffen versorgt und mehrere positive Nebeneffekte für das Pflanzenwachstum entstehen.

Unser Projekt konzentriert sich auf die Optimierung des Netto-Kohlenstoffabbaus durch die Verringerung der Emissionen entlang der Wertschöpfungskette – dies geschieht ausschließlich durch die Verwendung von Nebenprodukten aus bestehenden Steinbrüchen und die Beschränkung des Lieferradius vom Steinbruch zum Feld auf maximal 30 km.

„Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung neuartiger, präziser Messgeräte“

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

ZeroEx: Gesteinsmehl auf Feldern auszubringen mag zwar einfach und unkompliziert erscheinen, doch die eigentliche Innovation liegt in der spezifischen Projektkonfiguration und dem Messverfahren, mit dem nachgewiesen werden soll, dass eine messbare Wirkung erzielt wurde. Der Boden ist ein unglaublich komplexes System, und zahlreiche Faktoren, von der jeweiligen Kulturpflanze bis hin zur Düngerwahl des Landwirts, wirken sich auf den Prozess der Kohlenstoffentfernung aus.

Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung neuartiger, präziser Messgeräte, die in den Boden eingegraben werden und die bei der Verwitterung freigesetzten Kationen kontinuierlich erfassen können, um den erreichten Kohlenstoffabbau genau zu messen. Mit unseren Geräten erhöhen wir nicht nur die Messgenauigkeit, sondern senken auch die Kosten, so dass die Methode überall auf der Welt angewandt werden kann.

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

ZeroEx: ZeroEx entstand aus einem zufälligen Gespräch unter Freunden, die sich für die Kohlenstoffentfernung begeisterten und nach Methoden suchten, die in Deutschland vor Ort eingesetzt werden könnten, als einer von ihnen erwähnte, dass seine Familie Gesteinsmehl verwendet, um den pH-Wert des Bodens auf ihrem Familienbetrieb zu verbessern.

Mit einem Feld, einem Landwirt und Gestein war die Grundlage für erste Pilotprojekte geschaffen, die schnell auf vier weitere Regionen in Deutschland ausgeweitet wurden, um Daten zu verschiedenen Boden/Gestein-Kombinationen zu sammeln.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

ZeroEx: Als Pioniere in einer hochinnovativen, aber stark regulierten Branche bestand unsere größte Herausforderung darin, die richtigen wissenschaftlichen Talente für unser Team zu finden. Aus unseren Fehlern zu lernen, ist in der Startup-Umgebung entscheidend. Unsere Pilotprojekte, Versuche und Tests haben die Grundlage für das gelegt, was wir heute sind. Wir laden ständig neue Talente und Problemlöser ein, sich unserem Team anzuschließen, was für unseren Erfolg von entscheidender Bedeutung war und uns weiterhin motiviert, weiter voranzuschreiten.

ZeroEx erwartet starkes Wachstum

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

ZeroEx: In einem Jahr wollen wir unsere Projekte weiter ausbauen und unsere Initiativen deutschlandweit und international erweitern. Innerhalb von fünf Jahren erwarten wir ein signifikantes Wachstum mit vielen weiteren talentierten Mitarbeitern in unserem Team. Wir streben ein solides und weit verbreitetes ERW-Modell an, das auf unseren aktuellen Entwicklungen basiert und die Branche bei innovativen und nachhaltigen Lösungen zur Kohlenstoffabscheidung anführt.

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

ZeroEx: München ist für unser Startup eine unglaubliche Stadt, die uns eine Fülle von Humankapital bietet, das es uns ermöglicht hat, verschiedene Bereiche unseres Geschäfts zu entwickeln. Die zentrale Lage der Stadt ist ein großer Vorteil für unsere regionalen Projekte. Unser Büro in der Innenstadt ist voller Energie und passt perfekt zur dynamischen Identität unseres Unternehmens.

Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?

ZeroEx: Wir haben das Projekt aus reiner intrinsischer Motivation gestartet, da wir das zwölfte Unternehmen weltweit sind, das sich auf ERW konzentriert. Die Arbeit in einem so kleinen Sektor ist unglaublich spannend, da jede kleine Entwicklung nicht nur einem selbst, sondern dem gesamten Sektor zugutekommen kann. Solange wir nicht wirklich jeden Aspekt von ERW verstanden haben und dies zu einem globalen Unternehmen ausgebaut haben, denken wir nicht an einen Exit.

weiterlesen ↓