Etepetete zählt zu den Pionieren im Bereich „krummes Bio-Obst und -Gemüse“ und hat das Segment in Deutschland früh geprägt. Gegründet 2014 von Christopher Hallhuber und Georg Lindermair, entwickelte sich das Unternehmen zum Marktführer für Online-Biokisten. Besonders während der Pandemie wuchs Etepetete stark und war zeitweise profitabel.
Nach einem Marktrückgang 2022 stabilisierten die Gründer das Unternehmen – seit dem vierten Quartal 2024 arbeitet Etepetete wieder profitabel. Nun folgt der nächste Schritt: die Integration in eine größere, international ausgerichtete Plattform.
Etepetete: Vom Pionier zur Plattform-Integration
Mit der Übernahme durch Afreshed geben die beiden Münchner Gründer die operative Verantwortung ab – ein signifikanter Einschnitt nach über zehn Jahren Aufbauarbeit.
„Wir freuen uns sehr über den Zusammenschluss beider Marken. Die drei Afreshed-Gründer haben in kurzer Zeit gezeigt, wie man auch unter schwierigen Marktbedingungen ein starkes, serviceorientiertes Unternehmen aufbaut“,
erklären Christopher Hallhuber und Georg Lindermair und führen weiter aus:
„Wir sind überzeugt, dass sich die geplanten Veränderungen sehr positiv auf die zukünftige Entwicklung von Etepetete auswirken werden.“
Die Marke Etepetete bleibt bestehen, was für Bestandskunden und Markenbekanntheit zentral ist. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen künftig von Technologie, Logistik und Kapital des neuen Eigentümers.
Afreshed setzt auf Plattformstrategie und Marktkonsolidierung
Afreshed verfolgt eine klare Strategie: Marktführerschaft im deutschsprachigen Raum durch Zukäufe und Infrastrukturaufbau.
„Die Marke Etepetete bleibt erhalten. Die Übernahme gibt uns nicht nur sofortige Marktpräsenz, sondern auch lokales Know-how und einen bestehenden Kundenstamm. Diese Transaktion soll lediglich die erste ihrer Art sein“,
sagt Afreshed-Mitgründer Bernhard Bocksrucker.
Auch Co-Founder Lukas Forsthuber betont die Signalwirkung:
„Etepetete war für uns immer ein Vorbild und hat den Markt maßgeblich geprägt. Dass wir dieses Unternehmen jetzt übernehmen, ist für uns ein besonderer Schritt.“
Bemerkenswert an der Transaktion ist vor allem die Kombination aus Markteintritt und Konsolidierung: Statt organisch zu wachsen, übernimmt Afreshed mit Etepetete direkt einen etablierten Player mit bundesweiter Kundenbasis – insbesondere in Bayern, Baden-Württemberg und Berlin. Für das Münchner Startup-Ökosystem bedeutet das einen weiteren Exit im Food- und Sustainability-Segment.
Logistik als Differenzierungsfaktor im Food-Startup-Markt
Ein zentraler Hebel der Expansion ist die eigene Logistik-Infrastruktur. Afreshed setzt bewusst nicht auf klassische Paketdienstleister, sondern auf ein integriertes Liefermodell mit eigener Flotte und Software. Geplant ist der Aufbau eines flächendeckenden Mehrweg-Systems in Deutschland, das über klassischen E-Commerce hinausgeht: Statt externer Zusteller kommen eigene Lieferfahrzeuge zum Einsatz, deren Touren mithilfe eigens entwickelter Software CO₂-optimiert geplant werden. Gleichzeitig ermöglichen die FahrerInnen die Rückführung der Mehrwegboxen, wodurch ein geschlossener Verpackungskreislauf entsteht. Der Ausbau erfolgt schrittweise von Süd- nach Norddeutschland.
Dafür hat der Bio-Lieferdienst eine Finanzierungsrunde im mittleren siebenstelligen Bereich abgeschlossen. Investor ist die unter anderem auf Nahrungs- und Genussmittel spezialisierte Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, die sich mit 25,1 Prozent am Unternehmen beteiligt. Mit diesem Modell will sich Afreshed klar vom Wettbewerb differenzieren und die „Last Mile“ – der Schritt vom Verteilzentrum bis zur Haustür des Endkunden – effizienter sowie nachhaltiger gestalten.
„Das frische Kapital fließt in den Ausbau der Logistik-Infrastruktur und die punktuelle Produkterweiterung“,
sagt Mitgründer Maximilian Welzenbach.
Wachstumsmarkt Food-E-Commerce und Lebensmittelrettung
Die Übernahme fällt in einen wachsenden Markt: Der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland erreichte 2024 ein Volumen von rund vier Milliarden Euro, mit einer Wachstumsrate von über 7 Prozent.
Gleichzeitig bleibt Lebensmittelverschwendung ein strukturelles Problem, denn rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle zählt alleine Deutschland jährlich. Davon entfallen etwa 200.000 Tonnen auf die Landwirtschaft. 35 Prozent der vermeidbaren Haushaltsabfälle entfallen auf Obst und Gemüse.
Genau hier setzen Modelle wie Etepetete und Afreshed an: Sie vermarkten Produkte, die aufgrund optischer Normabweichungen nicht in den Handel gelangen. Der Gründungsgedanke beider Unternehmen ist im Kern derselbe: die Rettung von Lebensmitteln und deren direkte Weitergabe an die VerbraucherInnen.
Die beiden Etepetete-Gründer Christopher Hallhuber und Georg Lindermair merken an:
„Wir danken unserem Team, unseren Gesellschaftern und Partnern für die großartige Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren, ohne die die positive Entwicklung von Etepetete nicht möglich gewesen wäre. Wir sind gespannt und freuen uns darauf, die weitere Entwicklung von Etepetete und Afreshed auch künftig zu verfolgen.“
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Quellen
- Unternehmensangaben Afreshed (Pressemitteilung)
- Unternehmensangaben Etepetete
- Statista: Online-Lebensmittelhandel Deutschland
- Verbraucherzentrale: Lebensmittelverschwendung Deutschland