Foto: Munich Startup / Virginia Benkhalid

Gründerpokern: Bis zu 100 Teilnehmende beim Startup-Event im Werk1

Das Gründerpokern bringt Münchens Startup-Szene in einem ungewöhnlichen Format zusammen: Bis zu 100 Teilnehmende vernetzen sich am Pokertisch statt beim klassischen Smalltalk. Im Fokus stehen kuratierte Kontakte, strukturierter Austausch und neue Geschäftsbeziehungen – ganz ohne Geldeinsatz. Wir haben mit Organisator Sascha Bever über Konzept, Ablauf und Ziele gesprochen.

Beim Gründerpokern treffen sich in München regelmäßig bis zu 100 Teilnehmenden aus der Startup-Szene, um sich in kuratiertem Umfeld zu vernetzen – kombiniert mit einem Pokerturnier ohne Geldeinsatz. Hinter dem Format steht das Unternehmen Foundersphere rund um Gründer Sascha Bever, der das Event nach der Pandemie neu aufgebaut und in München etabliert hat.

Networking mit Struktur statt Zufall

Was das Gründerpokern von klassischen Networking-Events unterscheidet, ist der klar strukturierte Rahmen: Statt losem Austausch bei Drinks sitzen die Teilnehmenden an festen Tischen und kommen automatisch mit neuen Kontakten ins Gespräch. Das Pokerformat fungiert dabei als sozialer Katalysator – niedrigschwellig, aber interaktiv genug, um Gespräche organisch entstehen zu lassen.

„Poker ist easy to learn, hard to handle – und genau deswegen ein super Format, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen“,

so Sascha Bever im Interview mit Munich Startup.

Gerade im Münchner Startup-Ökosystem, das von einer hohen Dichte an GründerInnen, InvestorInnen und DienstleisterInnen geprägt ist, trifft das Format auf Nachfrage. Durch die feste Integration im Werk1 hat sich das Event inzwischen als wiederkehrender Treffpunkt etabliert.

Ursprünglich stammt das Konzept aus den späten 2000er-Jahren und wurde zunächst in Köln umgesetzt. Nach einer pandemiebedingten Pause hat Bever das Format übernommen, weiterentwickelt und von München aus neu positioniert.

Kuratierte Teilnehmende: Fokus auf Qualität statt Masse

Ein zentrales Element ist die gezielte Auswahl der Teilnehmenden. Tickets sind nicht frei verfügbar, sondern werden auf Basis von Bewerbungen vergeben, meist über LinkedIn-Profile. So entsteht eine kuratierte Mischung aus frühphasigen Startups, InvestorInnen und Business Angels, FreelancerInnen und Agenturen sowie ausgewählten ExpertInnen wie AnwältInnen oder SteuerberaterInnen, mit dem Ziel, eine ausgewogene Dynamik ohne dominierende Vertriebsinteressen zu schaffen.

„Das Ticket ist nie im freien Verkauf erhältlich – wir wollen sicherstellen, dass die Teilnehmer zueinander passen und es nicht mehr Jäger als Gejagte gibt“,

verrät Sascha Bever im Gespräch.

Ablauf: Turnier, Austausch und informelle Deals

Der Abend folgt einem festen Ablauf: Nach einer kurzen Kennenlernphase werden die Teilnehmenden Tischen zugewiesen. Für EinsteigerInnen gibt es eine Einführung ins Spiel, bevor das Turnier startet.

Wer ausscheidet, verlässt das Event nicht – im Gegenteil: Viele nutzen die Zeit danach gezielt für Gespräche an der Bar oder in den Lounge-Bereichen. Poker ist dabei optional, das Event funktioniert auch als reines Networking-Format.

Kein Glücksspiel, aber messbarer Mehrwert

Gespielt wird ohne Geldeinsatz, der Ticketpreis deckt Organisation und Rahmenprogramm, während Preise meist in Form von Sachleistungen oder Gutscheinen von Sponsoren bereitgestellt werden. Der eigentliche Mehrwert liegt jedoch im Netzwerk: Es entstehen neue Geschäftskontakte, Kooperationen und vereinzelt auch Investments. Konkrete Deal-Zahlen gibt es zwar nicht, jedoch berichten Teilnehmende regelmäßig von Folgekontakten und Zusammenarbeit, wodurch sich das Event für viele zu einem wiederkehrenden Treffpunkt mit dem Charakter eines Klassentreffens innerhalb der Szene entwickelt.

Und für alle, die jetzt noch zögern, sich beim Gründerpoker zu bewerben, hat Bever einen Tipp:

„Einfach machen. Du hast hier sehr wenig zu verlieren und lernst auf jeden Fall neue Leute kennen.“

Skalierung und offene Baustellen

Langfristig plant Foundersphere, das Gründerpokern wieder stärker in andere Städte zu bringen. Vor der Pandemie gab es bereits Events in Berlin, Hamburg und Frankfurt.

Aktuell liegt der Fokus jedoch auf München, wo das Format organisatorisch stabil läuft und ein gewachsenes Netzwerk vorhanden ist.

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Diversität: Der Anteil weiblicher Teilnehmerinnen ist bislang vergleichsweise gering. Das Team testet daher gezielt Anpassungen und neue Formate, um die Zielgruppe breiter anzusprechen.

Wer beim nächsten Mal dabei sein möchte, kann sich hier bereits für’s nächste Gründerpokern vormerken lassen. Die Events finden quartalsweise statt, häufig auch als offizielles Side-Event zur Bits & Pretzels.

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