Das operative Gründerteam (v. l. n. r.): David Jürgens, CSO; Leonie Deßloch, CTO; Benjamin Winkeljann, CEO
Foto: RNhale GmbH

Rnhale: Inhalierbare RNA für neue Therapien

Das Münchner Biotech-Startup Rnhale entwickelt inhalierbare RNA-Therapeutika als Trockenpulver – schneller, einfacher und effizienter als bisherige Ansätze. So sollen Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma gezielt behandelt werden. Warum der Weg von der Forschung zum Produkt herausfordernd ist und an welchen Hürden sie fast gescheitert wären, erklärt CEO Benjamin Winkeljann im Interview.

Munich Startup: Was macht euer Startup? Welches Problem löst ihr?

Benjamin Winkeljann, CEO: Wir entwickeln inhalierbare RNA-Therapeutika auf Basis einer proprietären Technologieplattform. Damit bringen wir RNA schnell und sicher in die Lunge – als Trockenpulver. So können wir schwere Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma, gezielt und effizient behandeln.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Benjamin Winkeljann: Es gibt Stand heute kein inhalierbares RNA‑Therapeutikum auf dem Markt. Einige befinden sich in der klinischen Entwicklung, sind jedoch alle flüssig formuliert und nicht als Trockenpulver. Damit einher gehen verschiedene technologische Herausforderungen: die Integrität von RNA‑Formulierungen bei der Verneblung, die effiziente Überwindung biologischer Barrieren wie dem Lungenmucus, sowie logistische Aspekte wie Kühlketten und die Lagerung flüssiger RNA‑Therapeutika. Auch die Patienten-Compliance spielt eine Rolle: Das Vernebeln flüssiger Formulierungen dauert häufig 20–30 Minuten, während die Anwendung eines Trockenpulvers mit einem handlichen Device, das in die Hosentasche passt, in unter einer Minute erledigt ist.

Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?

Benjamin Winkeljann: Ich bin als Postdoc an der LMU dazugestoßen, als das akademische Projekt eines Doktoranden gerade abgeschlossen war. Wissenschaftlich war es „fertig“, praktisch aber viel zu gut, um in der Schublade zu landen. Klassischer „right place, right time“. Ich habe vorgeschlagen, das Ganze in ein kommerzielles Produkt zu überführen. Meine akademische Chefin und Kopf hinter der Forschung, Olivia Merkel, hat mir die entsprechenden Freiheiten eingeräumt. Ich habe ein motiviertes Team rekrutiert – und so ist Rnhale entstanden.

Systematische Finanzierungslücken in der Frühphase

Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?

Benjamin Winkeljann: Es hat lange gedauert, bis wir uns bei unserem Geschäftsmodell sicher waren. Ursprünglich wollten wir den Fokus rein auf die Technologie legen. Dabei haben wir jedoch nicht bedacht, dass weder Pharma‑Player noch Investoren auf eine Technologie setzen werden, die nicht ausreichend validiert ist – und wir sprechen hier von klinischer Validierung. Insofern haben wir uns dazu entschlossen, unsere Plattform zunächst für die Entwicklung eines eigenen Wirkstoffkandidaten zu nutzen, also klassisch Biotech. Mit dieser Validierung soll die Plattform dann sukzessive erweitert werden.

Die zweite große Hürde ist die systematische Finanzierungslücke in der unternehmerischen Frühphase. Deutschland hat gute Programme im Pre‑Seed‑Bereich, aber sobald man gegründet hat, sieht es gerade für Biotechs erst einmal dünn aus, weil diese typischerweise keinen Umsatz generieren. Damit fallen de facto alle klassischen KMU‑Instrumente weg. Das finde ich sehr schade, denn Universitäten bieten zwar anfangs ein schönes geschütztes Umfeld, um ein Projekt reifen zu lassen, aber als eigenständiges Unternehmen geht es plötzlich viel schneller und effizienter voran. Zwar gibt es auch hier viel Bürokratie in Deutschland, aber immerhin keinen gigantischen Verwaltungsapparat. Zwischenzeitlich haben wir uns über Auftragsherstellung und Analytik selbst finanziert und sind in der glücklichen Position, einen EIC Transition Grant eingeworben zu haben.

Munich Startup: Wo möchtet ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Benjamin Winkeljann: In einem Jahr haben wir eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen, die uns die erste klinische Phase ermöglicht.

In fünf Jahren läuft vermutlich unsere klinische Phase 3, und es wird absehbar sein, dass unsere Technologie bald einer Vielzahl von Patientinnen und Patienten zugutekommen wird.

Mehr Mut zum internationalen Vergleich

Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Benjamin Winkeljann: München hat eine sehr große und aktive Community, mit vielen Unternehmen im Life‑Science‑Bereich. Das schafft Sichtbarkeit weit über den Standort hinaus und hilft letztlich allen. Der Talent‑Pool ist dank der beiden Universitäten ausgezeichnet. Ein wenig mehr verfügbares Kapital und ich hätte eigentlich nichts mehr zu wünschen übrig.

Ein kleiner Gedanke zum Münchner Startup‑Standort: Wir sind gut genug und sollten nicht versuchen, immer bundesweit zu konkurrieren. Unsere Messlatte sollten die internationalen Startup‑Hotspots sein. Dieses Narrativ kommt mir hier manchmal noch etwas zu kurz.

Munich Startup: Hidden Champion oder Shooting Star?

Benjamin Winkeljann: Shooting Star, auch wenn nicht zu 100 Prozent geplant, haben wir das mit dem Marketing und der Sichtbarkeit doch recht gut hinbekommen.

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