Die Series-A-Finanzierungsrunde über 25,7 Millionen Euro (30 Millionen Dollar) des Münchner Startups Lio führt der Venture-Capital-Investor Andreessen Horowitz an. Außerdem beteiligen sich SV Angels, Investor Harry Stebbings sowie Y Combinator. Das Kapital soll in die Weiterentwicklung der Plattform sowie in die Expansion in die USA fließen.
Lio entwickelt Software für sogenannte agentische KI im Unternehmenseinkauf. Die Plattform soll Einkaufsprozesse automatisieren, die in vielen Unternehmen bislang manuell ablaufen. Dazu zählen etwa Angebotsvergleiche, Lieferantenanalysen, Verhandlungen oder Bestellungen.
Vlad Keil, Co-Founder und CEO von Lio, prognostiziert:
„Die Einkaufsorganisation der Zukunft wird sich grundlegend verändern. Teams wachsen nicht mehr über zusätzliche Mitarbeiter oder neue Tools, sondern über KI-Agenten, die Aufgaben vollständig ausführen.“
KI-Agenten übernehmen Einkaufsprozesse
Die Plattform arbeitet mit spezialisierten KI-Agenten, die parallel an Beschaffungsvorgängen arbeiten. Sie analysieren Lieferanten, vergleichen Angebote, koordinieren Freigaben und lösen Bestellungen aus. Die Systeme greifen dabei auf bestehende Unternehmenssoftware wie ERP-Systeme, E-Mail-Postfächer, Vertragsdaten oder Webquellen zu.
Lio bezeichnet diese Arbeitsweise als „Agent Operating Procedures“. Dahinter steht die Idee, dass KI-Systeme standardisierte Einkaufsprozesse eigenständig ausführen können.
Nach Angaben des Startups verwalten die KI-Agenten inzwischen Beschaffungsvolumen in Milliardenhöhe. Seit dem Start der Plattform im Jahr 2023 setzen mehrere große Industrieunternehmen die Technologie ein. Zu den Kunden zählen unter anderem der Rückversicherer Munich Re, der Automobilzulieferer Brose sowie das Biotechnologieunternehmen Novozymes.
Jared Petras, Senior Director of Global Procurement Digital Transformation bei Walmart, bestätigt aus Nutzersicht:
„Agentische KI-Systeme werden entscheidend dafür sein, wie Unternehmen ihre Einkaufsorganisation künftig aufstellen.“
Push fürs Münchner Startup-Ökosystem
Gerade im Einkauf großer Industrieunternehmen gilt die Beschaffung als besonders komplex. Unternehmen geben jährlich hohe Summen für Personal im Einkauf aus, während Software bislang nur einen kleinen Teil dieser Prozesse automatisiert.
Für das Münchner Startup-Ökosystem ist die Entwicklung auch deshalb relevant, weil mehrere große Industrieunternehmen aus dem Umfeld der Region zu den Nutzern der Technologie zählen. Munich Re und Brose gehören zu den Unternehmen, die laut Lio bereits mit der Plattform arbeiten.
Damit zeigt sich ein typisches Muster im B2B-Softwaremarkt: Junge Technologieunternehmen entwickeln spezialisierte KI-Anwendungen, die große Industrieunternehmen als frühe Tester erproben.
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