Richard Eckl, CEO von Energyminer im Munich Startup Studio
Foto: Munich Startup

Hunderte Atomkraftwerke aus Flüssen: Das riesige Potenzial von Energyminer

Die Energiewende braucht neue Ideen – und manchmal kommen sie aus Richtungen, die bisher kaum jemand im Blick hatte. Das Münchner Startup Energyminer arbeitet daran, eine bislang weitgehend ungenutzte Energiequelle zu erschließen: die kinetische Energie von Flüssen. Im Videocast Pitch & People spricht Gründer Richard Eckl darüber, wie schwimmende Turbinen künftig Strom liefern könnten – dauerhaft, dezentral und ohne große Eingriffe in die Natur.

Statt auf große Staudämme oder klassische Wasserkraftwerke setzt Energyminer auf kleine, modulare Anlagen. Der „Energyfish“ schwimmt im Fluss, nutzt die natürliche Strömung und erzeugt daraus Strom. Mehrere dieser Einheiten werden in einem Flussabschnitt zu einem sogenannten Schwarmkraftwerk zusammengefasst.

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PITCH & PEOPLE Folge 23: Energyminer

Climatetech Startup
Hunderte Atomkraftwerke aus Flüssen! Das riesige Potenzial von Energyminer Die Energiewende braucht neue Ideen – und manchmal kommen sie aus Richtungen, die bisher kaum jemand…

Eine Antwort auf die Grundlastlücke

Hinter der Idee steht für Richard Eckl, CEO von Energyminer, ein grundlegendes Problem der aktuellen Energieversorgung. In den vergangenen Jahren wurden immer mehr klassische Kraftwerke abgeschaltet. Gleichzeitig wächst der Anteil erneuerbarer Energien, deren Stromproduktion stark schwankt.

„In den vergangenen Jahren wurden immer mehr grundlastfähige Kraftwerke abgeschaltet und durch fluktuierende erneuerbare Energien ersetzt. Das ist grundsätzlich positiv – allerdings ist es bislang nicht gelungen, die dadurch entstehende Grundlast zu ersetzen. Dadurch entsteht eine Lücke in der Stromversorgung“,

so Eckl in unserem Videocast Pitch & People.

Genau hier sieht Energyminer eine Chance. Während Wind- und Solarenergie stark vom Wetter abhängen, fließt ein Fluss kontinuierlich – und damit auch die Energie. Die Technologie des Startups nutzt diese Strömung direkt, ohne den Fluss aufzustauen oder umzuleiten.

Die Idee dahinter: eine neue Form der Wasserkraft, die sich flexibel installieren lässt und dennoch kontinuierlich Strom erzeugt.

Schwimmende Kraftwerke statt Staudämme

Herzstück der Technologie ist der Energyfish – eine schwimmende Turbine, die im Fluss verankert wird. Mehrere dieser Anlagen werden mit einem Seil im Flussbett befestigt und über Kabel mit einer Landstation verbunden. Dort wird der erzeugte Strom gesammelt und über Wechselrichter ins Netz eingespeist.

Ein großer Vorteil: Der Installationsaufwand ist vergleichsweise gering. Die Anlagen können vom Boot aus verankert werden, ohne dass umfangreiche Bauarbeiten oder Betonbauwerke nötig sind. Dadurch bleibt der Fluss weitgehend in seinem natürlichen Zustand.

Das Konzept ist zudem modular aufgebaut. Einzelne Turbinen lassen sich zu größeren Einheiten kombinieren – je nachdem, wie viel Platz ein Flussabschnitt bietet.

Strom für ganze Gemeinden

Wie viel Energie lässt sich mit diesem Ansatz tatsächlich erzeugen? Laut Eckl liefert bereits eine einzelne Anlage einen spürbaren Beitrag.

„Ein einzelner Energyfish kann ungefähr fünf Haushalte mit Strom versorgen. Ein typisches Schwarmkraftwerk mit rund 100 Anlagen könnte somit etwa 500 Haushalte dauerhaft und rund um die Uhr im Grundlastbetrieb versorgen.“

Die Leistung hängt dabei stark von der Strömungsgeschwindigkeit des jeweiligen Flusses ab. Da Flüsse jedoch kontinuierlich fließen und sich ihre Geschwindigkeit meist nur langsam verändert, kann die Stromproduktion vergleichsweise stabil sein.

Damit könnte die Technologie vor allem für Kommunen oder regionale Energieversorger interessant werden, die ihre Stromproduktion dezentral ausbauen wollen.

Von Pilotprojekten zum ersten großen Kraftwerk

Noch befindet sich Energyminer in einer frühen Phase der Umsetzung. Mehrere Anlagen werden derzeit in Flüssen getestet – unter anderem in Deutschland. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen daran, das erste größere kommerzielle Schwarmkraftwerk zu realisieren.

Parallel dazu prüft das Startup bereits weitere Standorte in Europa. Erste Schritte gibt es unter anderem in Österreich und Italien, wo ebenfalls Gespräche mit Behörden laufen.

Das langfristige Ziel: Die Technologie nicht nur regional, sondern international zu skalieren.

Infobox

Energyminer wurde 2021 von Dr. Richard Eckl, Dr. Georg Walder gegründet und hat seinen Sitz in Gröbenzell bei München. Das Startup entwickelt Technologien zur Nutzung der kinetischen Energie von Flüssen. Mit seinen schwimmenden Turbinen, dem sogenannten Energyfish, erzeugt das Unternehmen Strom direkt aus der natürlichen Strömung von Flüssen. Mehrere Anlagen werden zu Schwarmkraftwerken kombiniert und speisen gemeinsam Strom ins Netz ein. Ziel von Energyminer ist es, eine skalierbare und grundlastfähige Form erneuerbarer Energie bereitzustellen.

Ein globales Energiepotenzial

Das theoretische Potenzial der Technologie ist aus Eckls Sicht riesig:

„Selbst wenn man weltweit viele Faktoren berücksichtigt – etwa Schifffahrt, fehlende Stromanschlüsse oder ungeeignete Flüsse – bleibt immer noch ein enormes Potenzial übrig. Insgesamt sprechen wir von einer Leistung in der Größenordnung von hunderten Atomkraftwerken, die sich auf diese Weise erschließen ließe.“

Gemeint ist dabei nicht ein einzelnes Kraftwerk, sondern die gesamte mögliche Leistung, die aus Flussströmungen weltweit gewonnen werden könnte.

Baustein für die klimaneutrale Stadt

Für Eckl steht fest: Die Energieversorgung der Zukunft wird nicht von einer einzigen Technologie getragen werden. Stattdessen entsteht ein Netzwerk aus verschiedenen erneuerbaren Quellen, die miteinander kombiniert werden.

Dezentrale Systeme, die lokal Strom erzeugen und miteinander vernetzt sind, könnten dabei eine zentrale Rolle spielen. In diesem Energiemix sieht der Gründer auch den Energyfish als wichtigen Baustein.

Noch sucht Energyminer Investoren, um den nächsten Schritt zu gehen und das erste große Kraftwerk zu realisieren. Gelingt das, könnten schwimmende Turbinen aus München künftig weltweit dazu beitragen, die Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten.

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