Das Gründungsteam von Vyoma, Dr. Luisa Buinhas (CPO), Christoph Bamann (COO) und Dr. Stefan Frey (CEO).
© Vyoma

Vyoma erhält ESA-Auftrag

Das Space Startup Vyoma liefert künftig Beobachtungsdaten kleiner Weltraumobjekte an die Europäische Weltraumagentur. Die Daten fließen in ein zentrales Modell zur Risikobewertung im Erdorbit ein.

Das Münchner Startup Vyoma hat eine Ausschreibung der Europäischen Weltraumagentur gewonnen. Im Rahmen des Space Safety Programme der ESA liefert das Unternehmen künftig Beobachtungsdaten kleiner Weltraumobjekte. Grundlage ist ein Vertrag zur „Datenbeschaffung für weltraumgestützte statistische Daten zu kleinen Weltraumobjekten, Phase 1“.

Vyoma stellt optische Bilddaten seines Satelliten Flamingo-1 bereit. Die ESA nutzt diese Daten zur Validierung und Weiterentwicklung ihres Modells „Meteoroid And Space debris Terrestrial Environment Reference“, kurz MASTER. Das Modell beschreibt die erdnahe Weltraumumgebung und unterstützt Satellitendesigner und -betreiber bei der Risikobewertung.

Daten für präzisere Weltraummodelle

Nach Angaben der ESA bestehen derzeit zeitliche und räumliche Wissenslücken bei der Modellierung kleiner Weltraumobjekte. Diese Objekte liegen unterhalb der Nachweisgrenze bodengestützter Sensoren. Um diese Lücken zu schließen, kauft die ESA gezielt weltraumgestützte optische Beobachtungsdaten ein.

Vyomas Flamingo-1 wurde speziell für die Beobachtung von Weltraumobjekten entwickelt. Der Sensor fliegt in einer Höhe von 510 Kilometern und erfasst mit großer Blende und weitem Sichtfeld weite Bereiche des Weltraums. Auch kleine und schnelle Objekte sollen so erkannt werden. Laut Vyoma verbessern die gewonnenen Daten die Grundlage für belastbare Modelle und damit für fundierte Risikoanalysen im Orbit.

Tim Flohrer, Leiter des Space Debris Office der ESA, sagt:

„Daten zur Weltraumlageerfassung, die von weltraumgestützten Beobachtern wie Flamingo-1 generiert werden, spielen eine wesentliche Rolle beim Schutz bestehender und geplanter Satelliten und tragen zu einer nachhaltigen Nutzung des erdnahen Weltraums bei.“

Für Vyoma bedeutet der Auftrag mehr als ein einzelnes Projekt. Das Münchner Startup liefert nicht nur Technologie, sondern kommerzielle Beobachtungsdaten aus dem Orbit. Mit einer eigenen weltraumgestützten Infrastruktur positioniert sich das Unternehmen als Anbieter im wachsenden Markt für Weltraumlageerfassung und automatisierten Satellitenbetrieb. Der ESA-Vertrag dient dabei als Referenz im institutionellen Umfeld.

Ausbau der Flamingo-Konstellation geplant

Flamingo-1 wurde am 11. Januar 2026 in eine sonnensynchrone niedrige Erdumlaufbahn gebracht. Es ist der erste Satellit einer geplanten Konstellation zur Überwachung von Weltraumobjekten. Ein zweiter Satellit, Flamingo-2, befindet sich nach Unternehmensangaben in der Produktion und soll im vierten Quartal 2026 starten. Weitere Satelliten sind bis 2029 vorgesehen.

Mit dem schrittweisen Ausbau der Konstellation will das Münchner Startup die Abdeckung erhöhen und die Reaktionszeiten bei der Beobachtung des Weltraumverkehrs verkürzen. Ziel ist eine dichtere Datenbasis, die sowohl institutionellen als auch kommerziellen Kunden zugutekommt.

Stefan Frey, CEO von Vyoma, kommentiert:

„Wir sind stolz, die ESA (…) als wichtigen Schlüsselkunden zu gewinnen und freuen uns, (sie) bei ihrer Mission zu unterstützen, und Satellitenbetreibern beim Schutz ihrer Infrastruktur zu helfen.“

Für das Münchner Startup-Ökosystem zeigt der Auftrag, dass lokal entwickelte Raumfahrttechnologie auf europäischer Ebene nachgefragt wird. Mit Vyoma etabliert sich ein weiterer Akteur aus dem Münchner Startup-Ökosystem im Bereich New Space als Partner institutioneller Auftraggeber. Der ESA-Vertrag stärkt damit nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch die Sichtbarkeit des Standorts München im europäischen Raumfahrtkontext.

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