Munich Startup: Was macht Diafania?
Vera Meinert, CEO von Diafania: In der Immobilienbranche gehen heute wertvolle Zeit und Ressourcen durch komplexen Informationsaustausch verloren – mit Folgen wie erhöhten Risiken, Haftungsfällen und verpassten Umsatzpotenzialen. Unsere Lösung setzt genau hier an: Wir reduzieren den manuellen Aufwand und verwandeln unstrukturierte Daten in verlässliche Erkenntnisse. Dafür automatisieren wir die Datenstrukturierung direkt aus Dokumenten und schaffen so eine Basis, auf der Informationen einfach abgerufen, geprüft und genutzt werden können. Begonnen haben wir mit dem Prozess Wartungs- und Prüfmanagement. Hier lesen wir automatisiert Wartungsverträge und -protokolle aus und unterstützen so Vertragsmanagement, Wartungsplanung und Qualitätskontrolle.
Diafania: Datenanalyse trifft Branchenverständnis
Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!
Vera Meinert: Das würde man meinen und hoffen! Viele Systeme verarbeiten Daten, und mit Modellen wie ChatGPT, Gemini und Claude ist die Analyse von Dokumenten und unstrukturierten Daten extrem nahbar geworden. Wir verknüpfen diese Fähigkeiten mit tiefem Prozessverständnis und dem Zusammenspiel von Informationen aus verschiedenen Datenquellen. So sparen wir nicht nur Zeit, sondern schaffen eine Datenlage mit extrem hoher Qualität.
Dabei hilft uns vor allem unsere jahrelange Industrieerfahrung und die Modularität. So können wir uns perfekt an die Prozesse von Unternehmen anpassen und die Verknüpfungen zwischen Dokumenten und Informationen identifizieren. Durch die konsequente Nutzung unseres eigenen Produkts auch für unsere eigenen Prozesse wissen wir genau, wo es hakt, was fehlt und wie die Lösung optimal eingesetzt werden kann. So entsteht echter Mehrwert, der weit über einfache Dokumentenverarbeitung hinausgeht.
Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?
Vera Meinert: Als ich Johannes vor einigen Jahren kennengelernt habe, sagte er zu mir: „Vera, du wirst mal gründen!“. Ich musste lachen – zu der Zeit konnte ich mir das wirklich überhaupt nicht vorstellen. Aber er hatte recht und hat hier früh meine Kreativität und meinen Drang nach Transformation erkannt. Während meiner Arbeit in Tech-Firmen fiel mir immer wieder das typische Problem von fehlenden oder qualitativ minderwertigen Daten und das damit verbundene verlorene Potenzial auf. Besonders unstrukturierte Daten sind hier ein wahrer Schatz, der bisher oft komplett ungehoben ist. Gemeinsam mit Johannes habe ich die Idee entwickelt und dann Michael dazugeholt, der die technischen Fähigkeiten mitbringt, um das Thema mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz anzugehen. So haben wir begonnen, Diafania gemeinsam aufzubauen.

Startup-Alltag: Zwischen Hochdruck und Balance
Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?
Vera Meinert: Das Leben im Startup ist hochdynamisch: Die Hütte brennt eigentlich immer, es gibt unendlich viele Baustellen und man könnte 24/7 arbeiten. Die eigentliche Kunst ist es, klare Grenzen zu setzen und sich trotz Dauerstress bewusst Auszeiten zu nehmen. Für uns heißt das manchmal: Laptop zu, raus in die Berge, Kopf frei bekommen. Das ist nicht immer leicht, aber absolut notwendig, um langfristig leistungsfähig und kreativ zu bleiben.
Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte?
Vera Meinert: Wir haben bereits erste KundInnen und aktive Projekte, die wir gezielt ausbauen und vertiefen. Momentan sind wir im Proptech-Sektor angesiedelt, sehen aber auch Potenzial, unsere Technologie branchenübergreifend einzusetzen. Hinsichtlich InvestorInnen lassen wir gerade alles auf uns zukommen – wir wollen unseren Werten und KundInnen treu bleiben und werden hier keine überstürzten Entscheidungen treffen.
München als Hub für PropTech und KI
Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?
Vera Meinert: München bietet ein dynamisches Ökosystem für Startups: Zugang zu InvestorInnen, PartnerInnen, Netzwerken und Events wie die Expo Real oder die Bits & Pretzels. Die Stadt verbindet wirtschaftliche Stärke und Innovationskraft, was für uns als Startup sehr wertvoll ist. Gleichzeitig ist der Wettbewerb hoch – und das spornt an, innovative Lösungen schnell zur Marktreife zu bringen.
Munich Startup: Outsourcen oder selber machen?
Vera Meinert: Mit unserem Hintergrund in der Daten- und KI-Welt setzen wir in den Kernbereichen Produkt- und Technologieentwicklung sowie Use-Case-Priorisierung auf unsere eigenen Fähigkeiten. Wir holen uns aber konsequent Support bei Themen, wo wir weniger Erfahrung oder Expertise haben. Damit die Qualität am Ende in allen Bereichen stimmt, sehen wir hier den Schlüssel darin, uns externe Expertise reinzuholen. Gerade auch beim Thema Branchenzugang und Know-how setzen wir auf MentorInnen und UnterstützerInnen aus der Branche.