Hendrik Kramer, einer der Gründer und CEO von Fernride
Foto: Fernride

Fernride: Autonome Trucks aus München

Fernride entwickelt eine Plattform, die autonome Logistik skalierbar und sicher macht. Mit KI, Fernsteuerung und modularer Hardware will das Startup monotone Jobs automatisieren, Fachkräftemangel begegnen und Europas erstes zertifiziertes autonomes Trucking-System etablieren.

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr? 

Hendrik Kramer, CEO und Mitgründer: Fernride treibt die Zukunft der autonomen Logistik voran. Unser Ziel: gefährliche, monotone Aufgaben, die heute noch von Menschen erledigt werden, durch sichere und effiziente Automatisierungslösungen ersetzen und gleichzeitig bessere, sicherere und qualifiziertere Jobs schaffen.

Mit unserer Ground Autonomy Plattform bieten wir skalierbare Automatisierung für industrielle Anwendungen: von Containerterminals und Werkslogistik über Verteidigungstransporte bis hin zum autonomen Fernverkehr. Unsere Technologie kombiniert KI-basierte Autonomie mit menschlicher Fernsteuerung und modularer, fahrzeugunabhängiger Hardware. So ermöglichen wir Unternehmen und Behörden, Automatisierung sicher und flexibel einzuführen.

Fernride wurde 2019 aus über zehn Jahren Forschung an der TU München gegründet und zählt heute über 150 Mitarbeitende. Unser Ziel: den europäischen Standard für autonome Logistik setzen, mit dem ersten vollständig zertifizierten autonomen Truck-System Europas ab 2025.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst! 

Hendrik Kramer: Autonome Fahrzeuge gibt es als Pilotprojekte, aber echte, skalierbare Lösungen für industrielle Logistik im gemischten Verkehr, die sicher, zertifiziert und wirtschaftlich tragfähig sind, fehlen noch. Genau hier setzt Fernride an.

Was uns unterscheidet: Wir bringen nicht nur Autonomie, sondern kombinieren sie mit menschlicher Intelligenz durch Fernsteuerung-Technologie. Das erlaubt einen sicheren und stufenweisen Übergang zur vollständigen Automatisierung, ohne den radikalen Schritt, den viele andere erstmal ohne Erfolg versuchen.

Und: Wir sind die Ersten in Europa, die ein zertifiziertes autonomes Trucking-System nach Maschinenrichtlinie in den Betrieb bringen. Das gibt es definitiv noch nicht, aber jetzt, mit Fernride.

Fernride entstand aus einer Vision an der TUM

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Hendrik Kramer: Wir Gründer haben uns an der TU München kennengelernt, wo wir über Jahre an Technologien für Teleoperation und autonomes Fahren geforscht haben. Aus dieser gemeinsamen Vision und dem wissenschaftlichen Fundament heraus entstand 2019 Fernride.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen? 

Hendrik Kramer: Die Herausforderungen, die wir mit unserer Lösung adressieren, etwa Fachkräftemangel, Sicherheitsrisiken und Effizienzprobleme, sind groß und betreffen ganze Branchen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach unserer Technologie. Für uns als Startup besteht eine der größten Herausforderungen darin, bei all den Möglichkeiten den Fokus zu behalten und gezielt dort zu skalieren, wo wir den größten Impact erzielen können.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren? 

Hendrik Kramer: In einem Jahr wollen wir unsere ersten Anwendungsfälle erfolgreich skalieren und den operativen Rollout weiter vorantreiben. In fünf Jahren streben wir die Expansion in weitere Branchen und Szenarien an, mit dem klaren Ziel, autonomes Trucking auf die offene Straße in Europa zu bringen.

Standort München: Tradition trifft Innovation

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt? 

Hendrik Kramer: München ist für uns ein idealer Standort. Die Stadt vereint eine starke Tradition in der Automobil- und Maschinenbauindustrie mit einem wachsenden Tech- und Startup-Ökosystem. Besonders profitieren wir vom Zugang zu exzellenten Talenten, vor allem durch die Nähe zur TU München, sowie von starken Industriepartnern, die offen für Innovation sind. Das Netzwerk, die Infrastruktur und die Unterstützung für Deeptech-Startups machen München zu einem echten Innovations-Hub für autonome Mobilität.

Munich Startup: Outsourcen oder selber machen?

Hendrik Kramer: Wir haben sehr viel Know-how im autonomen Fahren, aber benötigen vielerlei starke Partnerschaften, um erfolgreich skalieren zu können. Wir entwickeln weder Hardware (Compute, Sensoren) noch LKWs selbst und partnern an diesen Stellen mit den bestmöglichen Herstellern. Nur gemeinsam kann man autonomes Fahren skalieren.

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