Foto: Luisa Brandstetter

Lyfe.ads: Gratis-Tampons dank Werbung

Mit bedruckten Tamponschachteln will Lyfe.ads Werbeflächen neu denken und gleichzeitig ein drängendes Problem lösen: Periodenarmut. Finanziert durch Anzeigen werden kostenlose Tampons in Cafés, Coworking Spaces oder Fitnessstudios verteilt. So verbindet Gründerin und CEO Pheline Huber soziales Engagement mit innovativem Marketing.

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Pheline Huber, Gründerin und CEO: Gratis-Tampons für alle – finanziert durch Werbeeinnahmen. Trotz steigender Mediabudgets verlieren klassische Werbeformate zunehmend an Relevanz. Marken investieren Rekordsummen, nur um in überfüllten Feeds für einen flüchtigen Moment sichtbar zu sein – und genauso schnell wieder vergessen zu werden. Währenddessen profitieren die Plattformen vom Konkurrenzkampf: Je intensiver Marken um Aufmerksamkeit ringen, desto mehr zahlen sie und erhalten im Gegenzug immer weniger Wirkung. Deshalb setzen wir auf eine alternative Werbefläche: Tamponschachteln. Gleichzeitig gehen wir dadurch mit Periondenarmut ein sehr großes Problem an und setzen uns aktiv dafür ein, dass es im öffentlichen Raum (Cafés, Restaurants, Fitnessstudios, Co-Workingspaces, etc.) gratis Tampons gibt. Pro verteilter Schachtel werden Spenden für obdachlose Frauen und Hilfsprojekte gesammelt, damit wirklich jeder kostenlosen Zugang erhält.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Pheline Huber: Überraschenderweise nein. Bedruckt wird inzwischen fast alles: von Kondomen über Wasserflaschen bis zu USB-Sticks. Doch Tampons und Tamponschachteln sind bisher ungenutztes Terrain – dabei sind sie mindestens genauso alltagsrelevant. Gleichzeitig gibt es auch im öffentlichen Raum immer wieder Versuche, Gratis-Tampons zu ermöglichen, aber es scheitert in der Regel immer an der Finanzierung.

Gründungsidee entstand aus persönlichem Erlebnis

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Pheline Huber: Die Idee entstand aus einem sehr persönlichen Erlebnis: Bei einer Networking-Veranstaltung hatte ich eigentlich ein anderes Konzept im Kopf – kostenloses Wasser, finanziert durch Werbung. Den Abend wollte ich nutzen, um potenzielle Partner, Investoren und weitere Interessenten anzusprechen. Leider setzte meine Periode unerwartet stärker ein, sodass ich die Veranstaltung vorzeitig verlassen musste. Bedauerlicherweise hatte niemand, den ich gefragt hatte, etwas dabei, und auch vor Ort gab es keine Möglichkeit zur Versorgung.

Während ich in der U-Bahn saß, wurde mir bewusst, dass es nicht sein kann, dass mir wichtige Chancen entgehen und ich mein Unternehmen nicht voranbringen kann – nur weil ich eine menstruierende Person bin und gerade meine Periode habe.

Daher kam mir die Idee, das Konzept der werbefinanzierten Produkte zu übertragen: Kostenloses Wasser ist schon cool, aber kostenlose Tampons wären einfach der Wahnsinn. Als ich zudem herausfand, dass es bisher tatsächlich keinen Anbieter dafür gibt, beschloss ich, es einfach selbst umzusetzen.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Pheline Huber:

  • Förderungen zu sichern
  • Sichtbarkeit für ein Thema zu schaffen, das oft tabuisiert wird
  • Den eigenen Perfektionismus zu überwinden und einfach loszulegen

Lyfe.ads strebt große Kooperationen an

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Pheline Huber: In einem Jahr möchte ich eine Kooperation mit Flixbus, der Deutschen Bahn und einem Flughafen in Deutschland haben.

In fünf Jahren möchte ich, dass die Werbefläche sich so etabliert hat, dass sie ganz standardmäßig in die Marketingstrategien mit eingeplant wird und als selbstverständlich wahrgenommen wird.

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Pheline Huber: München ist offen, gut vernetzt und bietet spannende Kontakte. Für Social Entrepreneurship ist die Szene allerdings in anderen Städten – etwa Hamburg – noch zugänglicher und bietet mehr Möglichkeiten.

Munich Startup: Outsourcen oder selber machen?

Pheline Huber: Kernkompetenzen gehören immer inhouse. Alles andere geben wir gerne an PartnerInnen ab – wenn Qualität und Vertrauen stimmen. Kooperation ist für uns kein Notbehelf, sondern Teil der Strategie.

weiterlesen ↓