Foto: Emilia von Keyserlingk / Pepper

Women in Tech: Emilia von Keyserlingk von Pepper

Emilia von Keyserlingk bringt mit Pepper effektives EMS-Training nach Hause – kabellos, appgestützt und perfekt in den Alltag integrierbar. Die Gründerin mit Wirtschaftsingenieur-Background und Erfahrung bei den Vereinten Nationen sowie in der Strategie- und Techberatung hat 2021 ihr Unternehmen ins Leben gerufen, unterstützt von InvestorInnen und einem engagierten Team. Was sie zur Gründung motiviert hat und wann und wo ihr die besten Ideen kommen, berichtet sie im Women in Tech-Interview.

Munich Startup: Was hat Dich zur Gründung motiviert?

Emilia von Keyserlingk: Ganz ehrlich: Ich war erschöpft. Als Unternehmensberaterin war ich ständig unterwegs, mein Kalender voll, mein Rücken kaputt – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hatte keine Zeit für Sport, obwohl ich wusste, wie wichtig Bewegung ist.

Dann kam EMS-Training in mein Leben. Eine 20-Minuten-Einheit pro Woche, mehr nicht, und plötzlich verschwanden meine Rückenschmerzen. Ich war fitter, aufrechter, energiegeladener. Das Problem war nur: EMS gab es nur im Studio, teuer, mit Kabeln, mit Sprühflasche, mit Aufwand. Und da dachte ich: Warum gibt es das nicht einfacher? Warum gibt es keinen bequemen EMS-Anzug für Zuhause mit geführtem Training per App? Diese Frage war der Start von Pepper. Ich wollte eine Lösung, die wirklich funktioniert, aber so einfach ist, dass sie jedeR nutzen kann.

Exkurs: Was genau ist EMS und wie hilft es beim Muskelaufbau?

EMS steht für Elektromuskelstimulation. Klingt technisch ist aber im Prinzip ganz simpel: Mit sanften Impulsen wird die Muskulatur aktiviert. Das passiert bei jeder normalen Bewegung auch, wir verstärken es nur. Und zwar gezielt.

Du ziehst den Anzug an, startest die App und trainierst in nur 20 Minuten fast den ganzen Körper. Das fühlt sich ein bisschen wie ein intensives Workout mit leichter Vibration an – und bringt richtig viel. EMS kann Muskelaufbau um bis zu 300 Prozent effektiver machen als klassisches Training. Und weil es gelenkschonend ist, ist es auch ideal für Menschen mit Rückenproblemen oder wenig Trainingserfahrung. Kurz gesagt: Muskelaufbau ohne Hanteln, ohne Geräte, ohne Studio – das ist Pepper.

Munich Startup: Was hättest Du gerne vor Deiner ersten Gründung gewusst?

Emilia von Keyserlingk: Wie intensiv sich die Hochs und Tiefs anfühlen. Ich wusste, dass Gründen eine Achterbahnfahrt ist, aber dass es so persönlich wird, hatte ich unterschätzt.

Mein größtes Learning: Sprich mit anderen GründerInnen. Fast jedes Problem hatte schon mal jemand und manchmal reicht ein kurzes Gespräch, um neue Klarheit zu gewinnen.

Munich Startup: Wie ist Dein Unternehmen bislang finanziert?

Emilia von Keyserlingk: Pepper wird durch Business Angels finanziert und zwar nicht nur mit Kapital, sondern vor allem mit Wissen. Als First-Time-Founder war das für mich Gold wert. Ich konnte von ihren Erfahrungen lernen, gerade in den Bereichen Produktentwicklung, Vertrieb und internationale Skalierung.

Munich Startup: Wann und wo bekommst Du die besten Ideen?

Emilia von Keyserlingk: Beim Spazierengehen. Ohne Handy. Ohne Musik. Ohne Ablenkung. Draußen sein, denken, atmen. Das bringt mir oft die besten Impulse.

Munich Startup: Was sind Deine 3 liebsten Arbeitstools?

Emilia von Keyserlingk:

  • ChatGPT – perfekt für schnelle Ideen, Textentwürfe und neue Perspektiven
  • Notion – mein zentrales Tool für Organisation und Planung
  • Slack – für schnelle und effiziente Kommunikation im Team

Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema “Pitchen”?

Emilia von Keyserlingk: Erzähl deine eigene Geschichte. Authentizität schlägt jedes Buzzword. Wenn dein Produkt ein echtes Problem löst, dann zeige, wie es dein eigenes Leben verändert hat. Genau da entsteht Verbindung.

„Mehr Kapital für diverse Gründerteams“

Munich Startup: Erscheint es Dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?

Emilia von Keyserlingk: Ich glaube: Es war noch nie so spannend wie jetzt. Neue Technologien, vor allem KI, eröffnen riesige Chancen – auch im Gesundheits- und Fitnessbereich. Gleichzeitig ist das Funding schwieriger geworden. Aber: Wer ein echtes Problem löst, findet immer einen Weg.

Für Gründerinnen bleibt es leider oft noch ein steiniger Weg – da wünsche ich mir mehr gezielte Unterstützung, mehr Sichtbarkeit, mehr Kapital für diverse Gründerteams.

Auf welche Technologie oder Branche würdest Du bei Deiner nächsten Gründung setzen?

Emilia von Keyserlingk: Wieder auf Gesundheit! Es gibt kaum etwas Motivierenderes, als mit deiner Arbeit echten, positiven Einfluss auf das Leben anderer Menschen zu haben.

Munich Startup: Was könnte aus Deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?

Emilia von Keyserlingk: München hat tolle Initiativen wie das Werk1 und eine starke Gründer-Community. Aber Acceleratoren, die für mich wirklich einen Unterschied gemacht haben, wie zum Beispiel Grace in Berlin, gibt es hier noch nicht in dieser Form. Da könnte München auf jeden Fall noch nachziehen!

Munich Startup: Welchen Gründer oder welche Gründerin würdest Du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest Du sie oder ihn fragen?

Emilia von Keyserlingk: Phil Knight, den Gründer von Nike. Ich liebe das Buch Shoe Dog, in dem er von den Anfangsjahren von Nike erzählt. Ich würde ihn fragen, was er heute genauso machen würde und was er im Rückblick anders angehen würde.

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