OVRLAY-Gründer Florian Batliner (l.) und Albert Brenner
Foto: OVRLAY

Obsphera: 3D für alle – ganz ohne Spezialwissen

Das Münchner Startup Ovrlay verspricht nichts weniger als eine Revolution: Hochwertige 3D-Modelle automatisch aus Fotos oder Videos – schnell, günstig und per Browser. Gründer Albert Brenner erklärt, wie aus einer Agenturfreundschaft ein Deeptech-Unternehmen wurde, warum ihre Lösung 90 Prozent Zeit und Kosten spart und welche Rolle München als Standort spielt.

Zuerst veröffentlicht am: 11. August 2025

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Albert Brenner, Geschäftsführer & Co-Founder: Mit Obsphera machen wir 3D-Spatial Computing so einfach wie das Hochladen eines Fotos. E-Commerce Unternehmen wollen Produkte im Webshop als interaktives 3D-Modell darstellen, Versicherungen benötigen eine plastischere Dokumentation von Versicherungsschäden und Industrieunternehmen benötigen visuelle Digitale Zwillinge. Bisher war die Erstellung hochwertiger 3D-Modelle teuer, kompliziert und dauerte Wochen. Unsere Lösung Obsphera.ai erstellt interaktive 3D-Modelle automatisch aus Fotos oder Videos und bringt sie direkt ins Web – ohne Spezial-Hardware, einfach per Browser.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Albert Brenner: Klar gab es bereits Methoden zur 3D-Erstellung. Sie alle erforderten aber Spezialwissen, viel Zeit und waren teuer. Wie zum Beispiel beim Scanning und dem notwendigen Nachmodellieren. Alternativ kann man 3D-Modelle auch händisch entwickeln mit den gleichen Kosten- und Zeitnachteilen. Manche Unternehmen haben auch 3D-Modelle aus einem CAD-System, können diese aber für Webanwendungen nicht verwenden. Bisher war die Erstellung von 3D-Inhalten die zentrale Hürde für immersive Web-Erlebnisse und Anwendungen. Unsere Software löst dies nun und spart dabei über 90 Prozent Kosten und Zeit gegenüber den bisherigen 3D-Methoden. Und bevor Du fragst: KI-Systeme (LLMs) können auch 3D-Modelle entwickeln. Das funktioniert auch dort gut, wo es nicht darauf ankommt, ein ganz konkretes Objekt, einen konkreten Raum oder Gebäude abzubilden. Wenn es um Authentizität geht, sind LLMs nicht geeignet für die 3D-Erstellung.

Vom Web-Agentur-Duo zum Deeptech-Startup

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Albert Brenner: Mein Mitgründer Florian und ich kennen uns seit dem Studium 1994. Im Jahr 1997 haben wir die erste Web-Agentur gegründet und Websites für Unternehmen entwickelt. Seit dieser Zeit sind wir befreundet und auch unsere beruflichen Wege haben sich immer wieder gekreuzt. Florian war Head of IT Continental Europe bei Computershare, CPO bei verschiedenen Startups und entwickelt seit über 25 Jahren Softwaresysteme und Produkte. Ich war Mitgründer und Manager von verschiedenen Agenturen wie Pepper, thaltegos oder diva-e, war einige Jahre verantwortlich für Marketing und auch Sales bei einem amerikanischen Techkonzern und mache seit über 25 Jahren Geschäftsstrategien, Marketing und Vertrieb. Zu Obsphera sind wir durch unsere Kunden gekommen. Wir haben viele Spatial Computing Projekte gemacht und die größte Hürde war immer die 3D-Erstellung. Unternehmen wie BMW hatten letztlich die Anforderungen, dass wir Digitale Zwillinge günstiger und schneller entwickeln, als dies über herkömmliche Methoden möglich war. Nach anderthalb Jahren R&D sind wir nun soweit, unseren Kunden mit Obsphera diese Möglichkeit zu bieten.

Technisch hochkomplex, aber leicht bedienbar

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Albert Brenner: Die größte Challenge war der Spagat zwischen High-End-Qualität der 3D-Modelle einerseits und einer vollautomatisierten und einfach zu bedienenden SaaS-Lösung. 3D darf nicht kompliziert sein, sonst können es die Unternehmen oder, im Fall von Versicherungen, deren Kunden nicht selbst nutzen. Mit unserem Release 1 haben wir das zu 90 Prozent geschafft. Im Herbst werden wir noch eine Aufnahme-App bereitstellen können und dann sind wir bei der 100 Prozent Lösung.

Pilotkunden, Pipeline, Perspektive

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte und wo möchtet Ihr in einem und fünf Jahren sein?

Albert Brenner: Wir sind jetzt mit unserem Release 1 live, haben zusammen mit unseren sechs Mitarbeitern über 600.000 Euro Umsatz gemacht, renommierte Pilotkunden gewonnen und verzeichnen eine wachsende Pipeline. Und das Ganze bisher ohne Förderung oder externem Kapital. Insofern sind wir mit dem aktuellen Stand recht zufrieden. Innerhalb des nächsten Jahres möchten wir, auch mit Hilfe von externem Kapital, innerhalb der DACH-Region und unseren Fokusbranchen Versicherungen, E-Commerce und Industrie deutlich skalieren. Für die kommenden Jahre ist unsere Ambition die führende europäische B2B Computer Vision SaaS-Lösung zu sein. Mit einem Markt, alleine in der DACH-Region von 1,2 Milliarden Euro jährlich, sehen wir für unser Geschäft ein enormes Potential.

Ein Herz für München

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Albert Brenner: München ist für uns ein perfekter Standort. Mit BayStartUP und dem Münchner Businessplan Wettbewerb haben wir eine sehr hilfreiche Plattform gefunden, um unser Geschäftsmodell zu schärfen und unser Kontaktnetzwerk zu stärken. Auch die Zusammenarbeit mit den Universitäten, insbesondere den weltweit mitführenden Computer Vision Experten der TUM, ist für uns von sehr hoher Bedeutung. Und nicht zuletzt ist München unser Lebensmittelpunkt, wo wir in den vergangenen Jahren unser privates und berufliches Netzwerk aufgebaut haben. Insofern ein perfektes Paket für uns.

Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?

Albert Brenner: Unser Ziel ist klar: Wir wollen 3D-Erlebnisse für alle zugänglich machen und Obsphera groß machen. Ein Exit kommt nur infrage, wenn er unsere Vision beschleunigt. Bis dahin denken wir langfristig und skalieren konsequent.

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