Anne Dörner, Social-Startup-Hub Bayern
Foto: Social-Startup-Hub Bayern

Social-Startup-Hub Bayern: Starthilfe für GründerInnen, die Gutes tun wollen

Impact und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus, meint Anne Dörner vom Social-Startup-Hub Bayern. Hier erfahrt Ihr, wie soziale GründerInnen unterstützt, vernetzt und inspiriert werden.

Munich Startup: Stellt Euch bitte kurz vor.

Anne Dörner: Der Social-Startup-Hub Bayern (SSHB) ist die Anlaufstelle für alle, die mit ihrer Gründung etwas Gutes für die Gesellschaft bewirken wollen und daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln möchten. Seit Herbst 2022 unterstützen wir Gründungsinteressierte und angehende Gründerinnen und Gründer aus ganz Bayern kostenlos und ab der frühen Ideenphase. Trägerin des SSHB ist die Social Entrepreneurship Akademie (SEA). Wir verbinden Qualifizierungsangebote, Gründungsförderung, ein breites Netzwerk und über 15 Jahre Erfahrung als Pionierorganisation im Bereich Social Entrepreneurship – und bringen damit Menschen zusammen, die gesellschaftlichen Wandel mitgestalten möchten. Dabei immer im Fokus: Die Befähigung von Menschen, innovative Lösungen zu entwickeln, die wirtschaftlich tragfähig, sozial wirksam und ökologisch nachhaltig sind.

Warum es den Social-Startup-Hub Bayern braucht

Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung des Social-Startup-Hub Bayern – und welche Lücke wolltet Ihr damit schließen?

Anne Dörner: Für die Unterstützung von Social Startups fehlte es in Bayern lange an einer zentralen Anlaufstelle, die Gründungspotenziale ab der frühen Ideenphase erkennt und fördert. Um diese Lücke zu schließen, wurde der SSHB vom Freistaat Bayern ins Leben gerufen. Unser gemeinsames Ziel: Angehende Gründerinnen und Gründer bedarfsorientiert dabei unterstützen, wirkungsorientierte Geschäftsmodelle aufzubauen – und zwar ganz niedrigschwellig und ohne Eintrittshürden. Unsere Erfahrung aus der Beratung von inzwischen über 400 Ideen seit Gründung des SSHB zeigt: Der Bedarf ist groß – denn gesellschaftliche Herausforderungen gibt’s genug.

Netzwerke, Partner, Plattformen: So funktioniert die Unterstützung

Munich Startup: Wie vernetzt Ihr die verschiedenen Förderangebote in ganz Bayern miteinander – und welche Rolle spielen regionale Partner dabei?

Anne Dörner: Seit kurzem gibt es vier weitere regionale Anlaufstellen des Social-Startup-Hub Bayern – im Allgäu, in Niederbayern, in Mainfranken und in Oberfranken. Durch Kooperationen mit lokalen Partnern, die dort bereits etabliert und von uns zum Thema Wirkung und soziales Unternehmertum weitergebildet wurden, können wir Gründerinnen und Gründer vor Ort noch direkter und effektiver mit unseren Angeboten unterstützen. Mit über 45 Partnerorganisationen – von Hochschulen über Innovations- und Digitalzentren bis zu Impact-Organisationen – schaffen wir ein lebendiges Ökosystem rund um Gründungen mit gesellschaftlichem Mehrwert für Bayern.
Auch unsere Veranstaltungen bringen Gründerinnen und Gründer mit Ideen und Unterstützungsangeboten zusammen – zum Beispiel die regelmäßigen Social Business Meetups, die bayernweit an verschiedenen Orten stattfinden oder unsere virtuelle Happy Impact Hour, in der wir einmal monatlich Wissen zu verschiedenen Gründungsthemen an die Teilnehmenden weitergeben.
Darüber hinaus führen wir einen Social-Startup-Guide, mit dem Interessierte passende Unterstützungsangebote und -organisationen finden können. Für die Gründerinnen und Gründer aus unserer Beratung bieten wir exklusiv eine digitale Plattform, auf der sie sich untereinander austauschen und Mitgründende finden können, relevante Infos zu Veranstaltungen und Ausschreibungen sowie exklusive Rabatte erhalten und Räumlichkeiten zum Arbeiten vermittelt bekommen können.

Wirkung und Wirtschaftlichkeit sind kein Widerspruch

Munich Startup: Wie versteht Ihr den Begriff ‚Wirtschaften mit Wirkung‘ – und wie lebt Ihr dieses Konzept in Eurer täglichen Arbeit?

Anne Dörner: Für uns heißt das: unternehmerisches Handeln, das mehr als nur Profit im Blick hat. Dabei denken wir Wirtschaft ganzheitlich: wirtschaftliche Rendite, soziale Wirkung und Umweltverantwortung stehen im Einklang. Viele glauben, man müsse sich entscheiden – entweder Geld verdienen oder Gutes tun. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Impact und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus, sie können sich gegenseitig verstärken. Wenn ein Geschäftsmodell wächst, wächst auch seine Wirkung. Geld kann dann der Hebel sein, um die gesellschaftliche Wirkung zu vergrößern. Um dieses Denken zu fördern, wollen wir weiterhin viele Menschen erreichen und ihnen zeigen, dass Impact und Business auch sehr gut zusammen gehen.

Munich Startup: Ihr beratet Social Startups: Wie läuft eine typische Beratung bei Euch ab? Mit welchen Fragen oder Anliegen kommen Social Startups zu Euch?

Anne Dörner: Ganz ehrlich: Es gibt keine „typische“ Beratung – weil auch keine Idee wie die andere ist. Was es aber gibt: ein offenes Ohr, viele Fragen und jede Menge Sparring. Manche starten quasi bei Null, andere sind schon mittendrin. Typische Themen: Geschäftsmodell, Wirkungsmessung, Finanzierung oder die Wahl der Rechtsform. Wir begleiten individuell und vernetzen bei Bedarf an Unterstützungsorganisationen, Investorinnen oder Experten zu verschiedenen Themen, wie zum Beispiel Rechtsberatung oder Steuern.
Neben der offenen Beratung, die wir flexibel ab der frühen Phase anbieten, gibt es bei uns auch die “Fokusberatung Impact”, in der Gründungsteams ihr Wirkungsmodell schärfen und ausbauen.

Social-Startup-Hub Bayern

Das haben Startups mit der Hilfe des SSHB erreicht

Munich Startup: Welche Beispiele für erfolgreiche Startups kannst Du nennen, die Ihr durch Eure Arbeit unterstützt habt?

Anne Dörner: Klar, hier ein paar Highlights, die wir über die Jahre begleiten durften:

  • Enna Systems macht Digitalisierung für ältere Menschen einfach und inklusiv – mit benutzerfreundlichen Geräten und einem Millioneninvestment im Rücken.
  • Meliodays Medical entwickelt eine hormonfreie Behandlung gegen Menstruationsschmerzen und konnte sich bereits 800.000 Euro Pre-Seed-Funding sichern.
  • InGemeinschaft kämpft mithilfe von Mehrgenerationen-WGs gegen die Wohnungsnot und konnte sich die Förderung von “Nachhaltig Wirken” des Wirtschaftsministeriums sichern.
  • VoluLink bringt soziale Organisationen, IT-Studierende und Unternehmen zusammen, um gemeinsam digitale Lösungen für den Sozialsektor zu entwickeln – und wurde für das Konzept mit 175.000 Euro vom Bildungsministerium gefördert.
  • Recup – heute Deutschlands größtes Mehrwegsystem – wäre ohne die Beratung der SEA fast nicht entstanden.
  • Polarstern zeigt, wie man die Energiewende vorantreibt und als Sozialunternehmen erfolgreich skalieren kann – als eines der ersten beratenen Startups der SEA.

Blick nach vorn: Ausbau, Sichtbarkeit, politischer Einfluss

Munich Startup: Welche nächsten Schritte plant Ihr für die Weiterentwicklung des SSHB?

Anne Dörner:

  • Unsere Angebote in den bayerischen Regionen durch gezielte Kooperationen und bedarfsorientierte Formate weiter verstärken, vor allem im ländlichen Raum, fernab der urbanen Zentren – hier gibt es viel schlummerndes Potenzial für soziale Gründungen
  • mehr Sichtbarkeit für Social Startups und Gründungen mit gesellschaftlichem Mehrwert und ihr riesiges Potenzial schaffen – bei Investoren und Investorinnen, in der Politik und in der breiten Öffentlichkeit.

Munich Startup: Wie seht Ihr Eure Rolle im wachsenden Social-Entrepreneurship-Ökosystem – eher als Enabler, Impulsgeber oder politischer Mitgestalter?

Anne Dörner: Wir sagen: alle drei!

  • Enabler, weil wir Menschen dabei unterstützen, mutig zu sein und ihre Ideen ins Rollen zu bringen.
  • Impulsgeber, weil wir für neue Denkweisen und innovative Lösungen stehen: Gutes tun und dabei Geld verdienen? Das geht!
  • Als politischer Mitgestalter bringen wir das Thema Social Entrepreneurship auf die Agenda und zeigen, wie Impact und wirtschaftlicher Erfolg gemeinsam funktionieren können – gerade in herausfordernden Zeiten, in denen gesellschaftlicher Wandel und wirtschaftliche Entwicklung notwendig sind.

Wir glauben: Wirtschaften mit Wirkung ist kein Nischenthema, sondern das Geschäftsmodell der Zukunft. Wenn Du eine Idee mit gesellschaftlichem Mehrwert hast – melde Dich bei uns oder komm zu einer unserer Veranstaltungen. Wir freuen uns auf Dich: www.social-startup-hub.de

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